Die Achtung des Lebendigen
Von Anhängern der Kritischen Theorie ist selten Gutes über den Konservatismus zu hören. Doch Max Horkheimer, Mitbegründer der Frankfurter Schule, verstand den Begriff durchaus positiv und hielt ihn für aussagekräftiger als die gängige Unterscheidung zwischen rechts und links.
Seit die Kritische Theorie im Zuge ihrer Rezeption durch die Studentenbewegung weit über das universitäre Milieu hinaus Bekanntheit erlangte, wird über ihre politische Einordnung gestritten. Viele Protagonisten der Achtundsechziger, darunter der 1970 mit nur 27 Jahren verstorbene SDS-Aktivist Hans-Jürgen Krahl, hatten in Frankfurt bei Max Horkheimer und Theodor W. Adorno studiert, sich mit ihnen aber heftig über deren Verhältnis zur politischen Praxis gestritten. Die Frage, ob Horkheimer und Adorno rechts oder links seien, spielte bei diesen Streiten keine wesentliche Rolle. In den späten 1960er-Jahren fungierte „rechts“ noch nicht als die politisch entleerte und umso stärker moralisch aufgeladene Feinderklärung, die sie heute ist. Der Vorwurf, der gegen Adorno und Horkheimer seitens ihrer Schülerschaft am häufigsten erhoben wurden, war vielmehr der des „Konservatismus“.
Philosophie Magazin +
Testen Sie Philosophie Magazin +
mit einem Digitalabo 4 Wochen kostenlos
oder geben Sie Ihre Abonummer ein
- Zugriff auf alle PhiloMagazin+ Inhalte
- Jederzeit kündbar
- Im Printabo inklusive
Sie sind bereits Abonnent/in?
Hier anmelden
Sie sind registriert und wollen uns testen?
Probeabo
Weitere Artikel
Wohin steuert der Konservatismus?
Ist der Konservatismus noch ein tragender Pfeiler der liberalen Demokratie? Der CDU-Minister Nathanael Liminski und der Politikwissenschaftler Thomas Biebricher im Gespräch über anspruchsvollen Konservatismus, sein Verhältnis zum Christlichen und darüber, wie man die AfD widerlegt.
Was ist Konservatismus?
In Auf einen Blick machen wir philosophische Strömungen in einem Schaubild verständlich. Diesmal Konservatismus, eine moderne Opposition gegen die Moderne, die bei der Wahl ihrer Gegner, Themen und Verbündeten gar nicht so beständig ist, wie man meinen könnte.
Behaglich in den Abgrund blicken
In seinem Gruppenportrait erzählt Stuart Jeffries von der Exil-Lebenswelt der Frankfurter Schule
Stuart Jeffries
Grand Hotel Abgrund: Die Frankfurter Schule und ihre Zeit
übers. v. S. Held, Klett-Cotta, 560 S., 28 €
Laura K. Field: „Die MAGA-Bewegung ist kein unvermeidlicher Auswuchs des amerikanischen Konservatismus“
Donald Trump ist dabei, den US-amerikanischen Konservatismus radikal zu verändern. Intellektuelle Inspirationen mag er selbst nicht haben, andere in der MAGA-Bewegung allerdings schon. Im Gespräch erläutert Laura K. Field die geistigen Wurzeln der Neuen Rechten und die Geschichte ihrer Entfesselung.
Die neue Sonderausgabe: Konservatismus
Konservativ – sich so zu nennen, kommt für viele nicht in Frage, dabei haben wir alle doch etwas, das wir bewahren wollen: Natur, Gemeinschaft, Kultur, Freiheit. Was unterscheidet das Ewiggestrige vom weisen Bewahren? Und das Konservative als stabilisierende, demokratische Kraft von reaktionärem Begehren?
Hier geht's zur umfangreichen Heftvorschau!
Die Linkswende der Kritischen Theorie
Führende Köpfe der Kritischen Theorie rufen im Rahmen der Initiative Wissenschaft wählt Die Linke! zu einem entsprechenden Votum auf. Das ist erstaunlich, bedenkt man Adornos und Horkheimers Skepsis gegenüber solchen Parteinahmen.
Die Kartierung des politischen Raums
Rechts, links, konservativ, liberal, progressiv, reaktionär – sie sind als Bezeichnungen politischer Positionen etabliert und doch vielfach ambig. Wen meint man schließlich, wenn man von „den Rechten“ spricht? Was sind die Wurzeln des Konservatismus? Und woran bemisst sich eine linke Haltung? Unsere Reihe nimmt die verschiedenen Positionsbezeichnungen in den Blick – mit Meinungsstücken und Analysen, aus den unterschiedlichsten Perspektiven heraus. Ein Versuch, in der komplexen Begriffslandschaft des Politischen neue Orientierung zu schaffen.
Reinhard Merkel: „Das Recht auf Suizid gehört zu unserer Würde“
Laut eines Beschlusses des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, haben schwerkranke Menschen nun Anspruch auf Medikamente zur schmerzlosen Selbsttötung. Kann und darf sich ein Mensch jedoch frei für seinen Tod entscheiden? Durchaus, meint der Rechtsphilosoph Reinhard Merkel. Ein Gespräch über den Suizid als Grundrecht und gefährlichen Paternalismus in der Sterbehilfe-Debatte.