Und was machen Sie mit Ihrer Angst?
Krieg in der Ukraine, destruktive Gedanken im eigenen Kopf, wachsender Antisemitismus in Deutschland: Andriy Lyubka, Ronja von Rönne und Michel Friedman erzählen, welchen Umgang sie mit ihren Ängsten gefunden haben.
Andriy Lyubka
„Es gibt nichts mehr, wovor man sich fürchten muss“
Eine der bemerkenswertesten Entdeckungen des Krieges war für mich, dass Angst, wie die Freude, nicht lange anhalten kann. Angst ist eine Emotion von extrem hoher Intensität, das heißt, sie ist ein überraschend energieaufwendiger Zustand. Als am 24. Februar 2022 im Morgengrauen die ersten russischen Bomben auf friedliche ukrainische Städte fielen, stockte mir vor Angst und Panik der Atem, meine Hände zitterten und mein Körper weigerte sich, etwas zu essen. So werde ich diese ersten drei Tage der Invasion in Erinnerung behalten: ein fiebriges Herzrasen.
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Angst lähmt. Wer sie empfindet, will sie schnell wieder loswerden. Doch was, wenn in der Angst eine Chance läge? Wie kann es gelingen, diesem negativen Gefühl ein produktives Potenzial abzuringen? Lässt sich Angst gar als Möglichkeit für eine freiere Existenz begreifen?
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Kommentare
Es gibt ein in den Siebzigern erschienenes Buch welches "Angst im Kapitalismus" heißt. Empfehle ich noch heute Freunden, um gewisse soziale Mechanismen der Angsterzeugung zu erkennen und sich daraus zu befreien. Es wird beispielsweise die Ursache der Fremdbestimmung und die daraus resultierende Selbstverurteilung in den Augen der Anderen erklärt. Es war wie eine Befreiung damals, es hält eigentlich immer noch an. Einfach nur begreifen, dass es uns egal sein muss was andere über uns denken, uns nicht deren Urteil unterwerfen. Dass anderen zu gefallen, der größte Irrweg auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit ist.