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Tag - Body

Bild: Akram Huseyn (Unsplash)

Überblick

Mehr Müßiggang wagen?

Philomag Redaktion veröffentlicht am 02 Januar 2026 7 min

Für viele Menschen prägt Arbeit das Leben und auch ihr Selbstverständnis. Wie würden sich der Einzelne und die Gesellschaft verändern, wenn sie eine geringere Rolle spielte? Denkanstöße finden sich in der Philosophiegeschichte.

 

Sollten wir weniger arbeiten?

Paul Lafargue
1842–1911

Ja, es sollte verboten werden, mehr als drei Stunden am Tag zu arbeiten

Es befremdet Sie, dass sich Ihre Mitmenschen den ganzen Tag anstrengen? Warum, so fragen Sie sich, wollen diese Getriebenen am laufenden Band neue Projekte und Produkte in die Welt setzen, wenn es doch schon ein Überangebot an allem gibt? Diese Geschäftigkeit kommt Ihnen ungesund, hässlich und nutzlos vor? Paul Lafargue, der ideologisch abtrünnige Schwiegersohn von Karl Marx, würde Ihnen beipflichten. Schon die Arbeiter seiner Zeit sah er – nicht zuletzt infolge einer Indoktrination durch das Christentum, die Ökonomen und die bürgerlichen Moralprediger – von einer „morbiden, leidenschaftlichen Arbeitssucht“ befallen. Diese perverse Arbeitsliebe sei der Ursprung allen Übels: Die Menschen arbeiten bis zur völligen Erschöpfung und ersticken ihre natürlichen Bedürfnisse und Leidenschaften. Sie mehren den Reichtum des Landes und der Kapitalisten, profitieren selbst aber nicht davon. Und sie tragen, betont Lafargue, zu einer Überproduktion von Waren bei, die zu Wirtschaftskrisen führt und die globale Erschließung von immer neuen Absatzmärkten notwendig macht. Um diesem Elend ein Ende zu setzen, fordert Lafargue die Begrenzung der Arbeitszeit auf drei Stunden täglich. Den Rest der Zeit sollten die Menschen mit Nichtstun und dem Konsum der hergestellten Produkte verbringen. Wenn Sie also lieber auf dem Sofa liegen und online shoppen als zu arbeiten, tun Sie Lafargue zufolge sich und anderen etwas Gutes: Sie befriedigen Ihre Bedürfnisse, bekämpfen Überproduktionskrisen und sind mit Ihrer Abstinenz ein gutes Beispiel für Ihre arbeitssüchtigen Mitmenschen.

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Weitere Artikel

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5 min

Warum machen wir nicht mehr aus unserer Freiheit?

Nils Markwardt 15 August 2018

Wir sind so frei wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Und doch fühlen wir uns oft gefangen, erdrückt von Anforderungen, getrieben durch inneren Leistungszwang. Was wäre das für ein Dasein, könnten wir es auskosten. Den Augenblick genießen, anstatt ihn zu verpassen. Aus schalen Routinen ausbrechen, weniger arbeiten, Neues wagen – im Zweifelsfall auch gegen gesellschaftlichen Widerstand. Mehr Muße, mehr Lebendigkeit, mehr Spontaneität: Warum packen wir Kairos nicht beim Schopfe, wagen den entscheidenden Schritt? Sind wir zu feige? Zu vernünftig? Zu faul? Christoph Butterwegge, Claus Dierksmeier, Nils Markwardt, Robert Pfaller, Richard David Precht und Nina Verheyen über Wege in eine freiere Existenz.

 


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Armin Grunwald: „Deutschland hat eine besondere Geschichte mit der Kernenergie“

Armin Grunwald 17 April 2023

Am Samstag wurden die letzten drei deutschen Atomkraftwerke vom Netz getrennt, der Atomausstieg ist vollzogen. Welche Rolle die „German Angst“ in dieser Entscheidung spielte und was sie für Deutschland bedeuten könnte, haben wir den Philosophen und Physiker Armin Grunwald gefragt.

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Die neue Sonderausgabe: Die Kunst des Nichtstuns

Philomag Redaktion 27 Juni 2025

Wir leben in einer Gesellschaft der Tätigen und sehnen uns nach Ruhe. Wie sähe ein Leben aus, in dem wir schamlos faulenzten, der Stille lauschten und Gelassenheit kultivierten? Wo und wie finden wir Muße? Und kann im Müßiggang nicht auch eine Form der Gesellschaftskritik verborgen sein? Nichtstun ist eine Kunst mit utopischem Potenzial. Es lohnt, sich in dieser zu üben.

Hier geht's zur umfangreichen Heftvorschau!

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Judith Butler und die Gender-Frage

Camille Froidevaux-Metteries 01 Dezember 2016

Nichts scheint natürlicher als die Aufteilung der Menschen in zwei Geschlechter. Es gibt Männer und es gibt Frauen, wie sich, so die gängige Auffassung, an biologischen Merkmalen, aber auch an geschlechtsspezifischen Eigenschaften unschwer erkennen lässt. Diese vermeintliche Gewissheit wird durch Judith Butlers poststrukturalistische Geschlechtertheorie fundamental erschüttert. Nicht nur das soziale Geschlecht (gender), sondern auch das biologische Geschlecht (sex) ist für Butler ein Effekt von Machtdiskursen. Die Fortpf lanzungsorgane zur „natürlichen“ Grundlage der Geschlechterdifferenz zu erklären, sei immer schon Teil der „heterosexuellen Matrix“, so die amerikanische Philosophin in ihrem grundlegenden Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“, das in den USA vor 25 Jahren erstmals veröffentlicht wurde. Seine visionäre Kraft scheint sich gerade heute zu bewahrheiten. So hat der Bundesrat kürzlich einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der eine vollständige rechtliche Gleichstellung verheirateter homosexueller Paare vorsieht. Eine Entscheidung des Bundestags wird mit Spannung erwartet. Welche Rolle also wird die Biologie zukünftig noch spielen? Oder hat, wer so fragt, die Pointe Butlers schon missverstanden?

Camille Froidevaux-Metteries Essay hilft, Judith Butlers schwer zugängliches Werk zu verstehen. In ihm schlägt Butler nichts Geringeres vor als eine neue Weise, das Subjekt zu denken. Im Vorwort zum Beiheft beleuchtet Jeanne Burgart Goutal die Missverständnisse, die Butlers berühmte Abhandlung „Das Unbehagen der Geschlechter“ hervorgerufen hat.


Gespräch
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Alice Kaplan: „Algerien prägte die Textur seiner Arbeit“

Jana C. Glaese 14 April 2022

Camus gilt vielen als französischer Autor. Dabei war Algerien, Ort seiner Kindheit, ein ebenso starker Bezugspunkt. Wie prägte Algerien sein Schreiben? Wie sprach er über den Kolonialismus? Verkannte er dessen Spuren im eigenen Denken? Ein Gespräch mit Alice Kaplan.

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Salon
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Philosophen im Widerstand

Dominik Erhard 15 August 2023

Die Dokureihe Die Résistance macht deutlich, dass politischer Widerstand gegen die Nazis in Frankreich maßgeblich von mutigen Männern und Frauen ausging – aber auch Philosophen eine Rolle spielten.

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Was zeichnet Philosophie aus Afrika aus, Frau Graneß?

Friedrich Weißbach 28 April 2023

Die Philosophie und ihre Geschichte spielte eine wichtige Rolle bei der europäischen Unterdrückung anderer Kulturen. Anke Graneß zeigt am Beispiel des afrikanischen Kontinents die historische Verwicklung der Philosophie und eröffnet Wege ihrer Dekolonisierung.

Der afrikanische Philosoph der Aufklärung

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Emanzipation und Frieden

Marie Sieah 08 November 2024

Der Podcast Emma und Fritz liefert Denkanstöße für eine ideologiekritische Gesellschaft.

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