Mögliches

Dieser Begriff bezeichnet etwas, das zwar (noch) nicht ist, aber doch sein könnte, also etwas potentiell Realisierbares. Das Mögliche steht demnach nicht nur im Gegensatz zum Unmöglichen (das nicht zum Sein gelangen kann), sondern auch zur gegenwärtigen Realität. Damit etwas möglich ist, darf es, aus Sicht der Logik, nicht in sich widersprüchlich sein (so wäre beispielsweise ein rundes Quadrat von vorneherein unmöglich), und, aus physikalischer Sicht, nicht im Widerspruch zu den Gesetzen der Erfahrung stehen (so ist es zum Beispiel unmöglich, dass Wasser bei -100 Grad kocht). Zwischen dem Unmöglichen und dem Wirklichen lässt sich das Mögliche in verschiedenen Abstufungen finden: das (Un)wahrscheinliche, das Unentscheidbare, das Realisierbare, das Vorhersehbare… Aristoteles hat es identifiziert als ein Vermögen, das „in Potenz“ (potentia) ist. Bei Leibniz kommt dem Möglichen eine große Bedeutung zu, da er der Auffassung ist, dass der Übergang vom Möglichen zur Wirklichen das Ergebnis einer göttlichen Wahl, aber gleichzeitig allen Vorgaben der Vernunft entsprechend ist: denn weil Gott vollkommen gut, allwissend und allmächtig ist, lässt er nur die beste aller möglichen Welten existieren. Für Kant ist die Möglichkeit eine der Kategorien der Modalität, die, in Verbindung mit der des Daseins, das Notwendige hervorbringt. Für die Philosophen des Existentialismus im 20. Jahrhundert vermengt sich das Mögliche mit dem Kontingenten. In der modalen Logik jedoch definiert sich das Mögliche (kodifiziert durch den Operator in Form einer Raute) als „das, was wahr sein kann“, während das Kontingente (Nicht-Notwendige) noch weiter gefasst das ist, was „sowohl wahr als auch falsch sein kann“. In der politischen Theorie schließlich können die Erfahrungen totalitärer Ideologie und der Einsatz von Atombomben zu dem Gedanken führen, wie Arendt es sagt, dass seitdem „alles möglich ist“ und „dass alles Gegebene nur ein zeitweiliges Hindernis ist, das durch überlegene Organisation überkommen werden kann“.