Ontologie

Vom griech. ontos, „Sein“ und logos, „Lehre, Vernunft“. Dieser im 17. Jahrhundert geschaffene Ausdruck bezeichnet die Lehre vom Sein als Seiendes. Auch wenn die Frage nach dem Sein bereits zu Beginn der Philosophiegeschichte bei Parmenides auftaucht, wird sie erst mit Aristoteles zu einem wirklichen Gegenstand der Wissenschaft. Im Mittelalter wenden die Debatten über das Verhältnis zwischen dem Seienden und Gott die Ontologie der Theologie zu. So will zum Beispiel der „ontologische Gottesbeweis“, den Anselm von Canterbury im 11. Jahrhundert entwickelt – und der später von Descartes abgewandelt und schließlich von Kant abgelehnt wird – die Existenz Gottes aus seinem vollkommenen Wesen ableiten. Im 20. Jahrhundert sind es die atheistischen Denker des Existentialismus, die das Verhältnis zwischen Existenz und Essenz erneut hinterfragen, mit dem Bestreben, eine „phänomenologische Ontologie“ zu entwickeln. Im Gegensatz zum Essentialismus, der impliziert – wie es im Mittelalter der arabische Philosoph Avicenna vertrat – dass die Existenz nur ein eine zufällige Begleiterscheinung (Akzidens) der Essenz und nicht notwendig mit ihr verbunden ist, geht Sartre davon aus, dass jedenfalls für den Menschen „die Existenz der Essenz vorausgeht“. Während so zum Beispiel ein Aschenbecher offenbar von Anfang an alles ist, was er sein soll, ist der Mensch nur das, wozu er sich selbst macht: frei bestimmt er mit seinen Entscheidungen selbst über sein Sein. Heidegger wiederum unterscheidet eine Ontik, die sich auf das Seiende, die konkrete Existenz des Menschen in der Welt bezieht, und eine Ontologie, die in seinen Augen eine reduktive Annäherung an die Frage nach dem Sein ist, weil sie versucht, es allein mit den abstrakten Mitteln der logischen Vernunft zu erfassen, und dabei Gefahr läuft, es seiner Reichhaltigkeit zu berauben.