Paradigma

Vom griech. parádeigma, „Beispiel, Muster, Vorbild“. Der Ausdruck bezeichnet das, was in Form eines Beispiel gezeigt wird. Im Unterschied zum Archetyp, womit die Ursprünge und Urformen von etwas gemeint sind, wird das Paradigma von Platon einerseits als Methode der Analogie verwendet (wenn er zum Beispiel die Handlung eines Politikers mit der eines Webers vergleicht) und andererseits als metaphysisches Kriterium: so sind die Ideen, weil sie unveränderlich und vollkommen sind, die Paradigmen für die erfahrbaren Dinge, die an ihnen teilhaben. In den Wissenschaften nennt man die vorherrschende theoretische Konzeption, die zu einem bestimmten Zeitraum in einer bestimmten wissenschaftlichen Gemeinschaft in Gebrauch ist oder war, ein Paradigma (so dominiert zum Beispiel in der westlichen Welt das finalistische Modell der Physik von Aristoteles und Ptolemäus die Interpretation der Himmelskörper, bis es ersetzt wird von dem mechanistischen Modell, das Galileo im 17. Jahrhundert anstößt). Für den Wissenschaftstheoretiker Kuhn liegt das Wesen einer wissenschaftlichen Revolution, die auf lange Phasen der Normalwissenschaft folgt, deshalb darin, einen Paradigmenwechsel hervorzubringen, in dem die neuen und alten Denkmuster nicht mehr ineinander übersetzbar sind.