Phänomen

Vom griech. phainein, „erscheinen, sichtbar werden“, das selbst hervorgegangen ist aus phôs, „Licht“. Der Ausdruck bezeichnet das, was den Sinnen oder dem Bewusstsein erscheint oder gegeben ist. Im Gegensatz zu Platon, der es ablehnt, die Wissenschaft auf die Beobachtung der wahrnehmbaren Welt zu gründen – für ihn sind die Naturerscheinungen nur eine Quelle der Illusionen -, meint Aristoteles, man „müsse die Phänomene retten“ vor den Auswüchsen der Abstraktion, die die Wissenschaft von der realen Welt abschneiden. Auch Kant misst den Phänomenen große Bedeutung bei. Für ihn ist das Phänomen eine Art Zusammensetzung aus dem, was wir an Eindrücken von einem Gegenstand empfangen und aus dem, was unsere Erkenntnisfähigkeit aus sich selbst zieht. Für Kant ist nur das Phänomen, das notwendigerweise in Raum und Zeit erscheint, Objekt der Wissenschaften – im Unterschied zum Noumenon, das in der Metaphysik Gegenstand des Glaubens ist. Im 20. Jahrhundert wird dann das Phänomen, mit der von Husserl begründeten Phänomenologie, zu einem wesentlichen Begriff in der Philosophie: Es bezeichnet dann die erlebte Erfahrung, in der die Erscheinung des Objekts gegeben ist, also seine Art und Weise, sich in einem im Raum befindenden Bewusstsein zu manifestieren, durch eine Abfolge von Formen und Ansichten hindurch, anstatt augenblicklich und von einer äußeren Perspektive aus. Das Phänomen gehört somit zur selben Ebene wie das Bewusstsein und impliziert keinerlei „dahinterliegende“ Welt als Bedingung seiner Erscheinung.