Potenz

Vom lat. potens, „mächtig, vermögend, fähig“, das auf posse, „können“ zurückgeht. Bezeichnet das, was nur virtuell, der Möglichkeit nach besteht. Aristoteles verwendet den Ausdruck „in Potenz“ (in potentia), als Gegensatz zu Akt (in actu), um entweder ein im Entstehen oder in der Entwicklung begriffenes Lebewesen zu bezeichnen oder einen virtuellen Zustand der Empfänglichkeit. Im ersten Fall heißt die Potenz „aktiv“, weil die Entwicklung eines Lebewesens als etwas Internes und Natürliches verstanden wird. So ist zum Beispiel eine Raupe ein Schmetterling „in Potenz“ (d.h. ein künftiger Schmetterling). Im zweiten Fall heißt die Potenz „passiv", weil sie nur eine simple Möglichkeit in unbestimmter Zukunft bezeichnet. So kann beispielsweise der Marmor zu einer Statue werden, bleibt aber, ohne die Handlung des Bildhauers, der wiederum selbst über aktive Potenz verfügt, ein unbearbeiteter Grundstoff. Der Übergang von der Potenz zum Akt ist das, wodurch die Materie „informiert“, also in (eine bestimmte) Form gebracht, individualisiert wird.