Stoizismus

Eine griechische Denkschule der Antike von großem Einfluss. Seinen Namen hat der Stoizismus vom griech. Stoa, was „Säulenhalle“ bedeutet, weil sein Gründer Zenon von Kition (333 – 262 v.) unter einer solchen auf der Agora, dem Marktplatz von Athen, lehrte. Die Physik der Stoiker ist ein naturalistischer Pantheismus. Der Logos (eine Art universelles Strukturprinzip der göttlichen Vernunft) ist ein flammender Atem, der der Welt immanent ist und sie auf unwiderrufliche Weise organisiert und in allen Bestandteilen durchdringt. Die Stoiker glauben damit, im Gegensatz zu den Epikureern, deren überzeugte Gegner sie sind, an das Schicksal. Weisheit besteht ihrer Ansicht nach darin, den Platz zu akzeptieren, der einem im Universum zugewiesen ist, und in Harmonie mit der Natur zu leben, indem man sich, durch die Ausübung von Tugend und die Zurückweisung von Leidenschaften, um seinen Körper und seine Seele kümmert. Noch in der heutigen Sprache gibt es mit „Ertrage und enthalte dich“ (lat. sustine et abstine) und „Gerate durch nichts aus der Fassung" (nihil mirari) Formulierungen, die diese Weisheit zusammenfassen und den Geist der Stoiker erhalten. Dazu gehört auch, eine unerschütterliche Haltung als „stoisch“ zu bezeichnen. Entstanden in Athen mit Zenon, Kleanthes und Chrysippos, erreicht der Stoizismus seinen Höhepunkt in Rom mit Cicero und später, zur Kaiserzeit, mit Seneca, Epiktet und dem Kaiser Marcus Aurelius. Er dient als Inspiration für das Christentum, das ihm jedoch seine Tugendmoral und seine Gleichgültigkeit im Hinblick auf äußerliche Dinge vorwirft. Auch in der Renaissance wird er kritisiert, sei es, weil er für unpraktikabel befunden wird (Montaigne gibt ihn auf, weil er es für unmenschlich hält, bei Schmerzen keine Regung zu zeigen), oder sei es, weil man annimmt, dass er aus Hochmut sündigt und in Irrtümer verfällt (diesen Vorwurf machen ihm Pascal und Malebranche). Aber diese doppelte Verurteilung ändert doch nichts an seinem Einfluss und seiner Wirkungsmacht: Descartes und Spinoza lassen sich bei der Entwicklung ihrer Moralphilosophie durch die Lehren der Stoa inspirieren, Hegel sieht in dieser Erkenntnisphilosophie, die auf das Innere fokussiert ist, eine notwendige Etappe der Vernunftentwicklung in der Geschichte, und Nietzsche übernimmt von den Stoikern ihre Liebe zum unausweichlichen Schicksal (amor fati), obgleich er ihren Asketismus verwirft.