Theorie

Seiner Herkunft nach bedeutet dieser Begriff, der vom griech. theoria abstammt, „Betrachtung“ oder „intellektuelle Anschauung“. Dieser Ursprung findet sich auch noch in der aktuellen Verwendung des Wortes: eine Theorie ist das Produkt einer geistigen Aktivität, das Resultat einer abstrakten Spekulation (verstanden als Gedankenführung). Die Theorie ist also Gegenpart zur Praxis, die sich auf eine Handlung bezieht oder genauer auf die Anwendung von Prinzipien oder Regeln im Hinblick auf ein bestimmtes Ergebnis. Eine Theorie wird als wissenschaftlich bezeichnet, wenn sie ein System von Gesetzen, gegründet auf Hypothesen, vorstellt, das die Welt der Phänomene verstehbar macht. Um als valide zu gelten, bedarf eine Theorie der Bestätigung durch die Erfahrung. Obwohl Theorie und Erfahrung sich wechselseitig mit Informationen versehen, ist sich doch ein Großteil der Erkenntnistheoretiker darüber einig, dass die Theorie der Erfahrung vorangehen und diese „anleiten“ muss (und nicht umgekehrt). Man bezeichnet die Wissenschaften seit Galileo als experimentell; was bedeutet, dass das, was beobachtet und überprüft werden soll, zuerst rational vorgefasst werden muss, weil diese Vorannahmen dann die Methode und Art des Experiments bestimmen. Allerdings scheint die Wissenschaft, wenn sie ihren äußersten Grad an Ausarbeitung erreicht hat, wieder zur Erfahrung zurückkehren und das hervorbringen zu müssen, was Bachelard einen „angewandten Rationalismus“ nennt, also den Einklang von experimenteller, beobachtender und vernunftgeleiteter Vorgehensweise.