Ursache / Grund

Dieser Begriff wird in der Philosophie in zweierlei Bedeutung gebraucht: einerseits für das, was eine Wirkung erzeugt, und andererseits für das, auf dessen Veranlassung hin man handelt. Nach den Ursachen forschen auch die Wissenschaften, die daraus die Naturgesetze ableiten. „Wissen ist, die Ursachen zu kennen“, so Aristoteles, der, anders als Platon, nur vier verschiedene Ursachen unterscheidet - die der Materie (wie der Marmor bei einer Statue), die der Form (im Sinne von Struktur, bei einer Statue also ihre Silhouette), die Wirkursache (wie der Hammer des Bildhauers) und die Ziel- oder Zweckursache (die Schönheit der Statue) - und damit versucht, die natürlichen Phänomene zu erklären, und die zugrundeliegende Ursache für die Bewegung der Welt zu finden: Gott (der „unbewegte Beweger“). Für die Scholastiker ist Gott die „erste Ursache“ für alles andere und auch für sich selbst (causa sui). Diese Definition wird von Spinoza wieder aufgegriffen, der in Frage stellt, dass der Mensch im Besitz eines freien Willens sei. Auf der Suche nach dem psychischen Ursprung unserer Fähigkeit, Kausalzusammenhänge und damit Ursachen zu erkennen, entwickeln sich zwei entgegengesetzte Positionen: die der Empiristen, wie etwa Hume, der darin nur ein Produkt der Gewohnheit sieht (die wiederholte Wahrnehmung derselben Abfolge erzeugt die Vorstellung eines notwendigen Kausalzusammenhangs) und die der Rationalisten wie Kant, die diese Fähigkeit als eine Kategorie der Vernunft betrachten. In der Moralphilosophie versteht man unter der Ursache bzw. dem Handlungsgrund das Motiv für eine Entscheidung (zum Beispiel: einen Ertrinkenden zu retten, um dafür eine Belohnung zu erhalten); in der politischen Philosophie ist damit die politische Überzeugung bzw. Ideologie gemeint, der das Handeln folgt. In diesem Sinne spricht Marat davon, dass es die „Sache des Volkes“ sei, die Französische Revolution zu verteidigen.