Die Potenz des Unvermögens
Neujahr ist die Zeit der Vorsätze. Man will Dinge können, die man noch nicht kann. Und verzweifelt oft. Zu Unrecht, meint unsere Kolumnistin Millay Hyatt.
Als ich vor rund vier Jahren mein erstes Online-Dating-Profil erstellt habe, lautete eine der Fragen: „Was würdest du gerne können, kannst es aber noch nicht?“ Ich musste nicht lange überlegen: „Handstand.“ Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon viele Jahre Yoga praktiziert, konnte aber erst seit Kurzem den freien Kopfstand. Dass es mir jemals gelingen würde, nur auf dem Kopf und den verschränkten Armen zu balancieren, glaubte ich lange kaum. Doch dann klappte es eines Tages und es klappte immer wieder und das Gefühl, wenn ich verkehrt herum mitten im Raum balancierte und dabei nur minimal wackelte, war herrlich, triumphierend. Ich konnte etwas, das ich lange ergebnislos geübt hatte, und der Erfolg war süß.
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