Die Waffen der Phantombesitzer
Eva von Redecker analysiert in Dieser Drang nach Härte den neuen Faschismus und seine Beziehung zum Besitz: Sie sieht einen wahnhaften Eigentumsrausch am Werk, der alles liquidieren will, was der eigenen Anspruchshaltung in die Quere kommt.
Wer plündert, wird erschossen“, steht auf dem Blechschild, das Eva von Redecker auf einem Trödelmarkt in Sachsen-Anhalt entdeckt. Umgeben ist das Schild von Nazi-Devotionalien aller Art, deren Hakenkreuze mit blauen Stickern verdeckt sind; das Abgeklebte wird dadurch umso mehr hervorgehoben. Würden wir, fragt die Philosophin, den Faschismus, der nicht nur im ländlichen Ostdeutschland, sondern weltweit in neuen Formen auftritt, überhaupt erkennen, solange wir nicht zu seinen Opfern zählen?
Philosophie Magazin +
Testen Sie Philosophie Magazin +
mit einem Digitalabo 4 Wochen kostenlos
oder geben Sie Ihre Abonummer ein
- Zugriff auf alle PhiloMagazin+ Inhalte
- Jederzeit kündbar
- Im Printabo inklusive
Sie sind bereits Abonnent/in?
Hier anmelden
Sie sind registriert und wollen uns testen?
Probeabo
Weitere Artikel
Was ist „Z-Faschismus“, Frau von Redecker?
Welche Logik steckt hinter dem russischen Angriffskrieg? Und warum wird er so brutal geführt? Ein Gespräch mit Eva von Redecker über Z-Faschismus, Patriarchat und Phantombesitz an Mensch und Natur.
Carolin Amlinger: „Faschismus ist vor allem eine Führung der Gefühle“
In ihrem kürzlich erschienenen Buch Zerstörungslust nehmen Oliver Nachtwey und Carolin Amlinger eine Destruktivität in den Blick, die sich gegen soziale Minderheiten und liberale Errungenschaften richtet. Im Gespräch erklärt Amlinger, woher diese Zerstörungslust kommt, welche Formen es gibt und wann sie zu Faschismus wird.
Mein Wille, das unbekannte Wesen
Unser Wille, was soll er nicht alles sein: innerer Kompass und ewiger Antrieb, Garant des Erfolgs und Quelle der Lust. Doch gerade in entscheidenden Situationen erweist er sich oft als schwach und desorientiert. Woher weiß ich also, was ich wirklich will? Durch rationale Abwägung und Kontrolle meiner Begierden? Oder offenbart sich mein wahrer Wille gerade im dunklen, irrationalen Drängen tief im Innern? Womöglich gäbe es sogar eine dritte Option: Was, wenn die wahre Freiheit des Menschen gerade in der Überwindung seines Willens läge? Entscheiden Sie selbst
Susan Neiman: „Viele Demokraten haben geglaubt, dass man einen Wahlkampf nach Stammesinteressen machen sollte“
Was bedeutet die zweite Amtszeit von Donald Trump für die USA? Für die Philosophin Susan Neiman ist klar, dass Trumps Politikstil die Kriterien des Faschismus erfüllt, und die Bedrohung durch ihn heute größer ist denn je. Eine Mitschuld für seine Wahl sieht sie bei der Linken.
Thomas Chatterton Williams: „Ein Klima, in dem viele lieber schwiegen. Das machte Woke so wirksam“
Woke ist vorbei – aber woher kommt die neue rechte Härte? Der Autor Thomas Chatterton Williams sagt: Was 2020 schieflief, verfolgt uns bis heute.
Timothy Snyder: Wie verhindern wir die Tyrannei?
Für den von Hannah Arendt inspirierten Historiker zeichnet sich der Totalitarismus durch die Zerstörung staatlicher Strukturen aus. Genau darin besteht auch die Bedrohung, die von den neuen rechtspopulistischen Bewegungen ausgeht. Er warnt vor einem neuen Faschismus – und gibt Hinweise zum Widerstand.
Ludger Schwarte: „Farbe ist immer anarchisch“
Lange Zeit wurde die Farbe in der Philosophiegeschichte ausgeklammert. Ein Unding, wie Ludger Schwarte in seinem neuen Buch Denken in Farbe erläutert. Schließlich eignen wir uns die Welt nicht nur durch Farben an, sondern sie besitzen auch ein subversives Potenzial.
Hans Ulrich Gumbrecht: „Nicht zufällig war der Faschismus eine Radiokultur“
Die Stimme beeinflusst uns mehr, als wir oft denken, so Hans Ulrich Gumbrecht in seinem neuen Buch. Ein Gespräch über mystische Körper, Trumps Attraktivität und eine Politik der Anwesenheit.