Leben wir im Technofeudalismus?
Big Tech ist das neue Feindbild der Linken. Sie vergleichen die Geschäftspraktiken von Amazon, xAI und Co. neuerdings mit dem Lehnswesen aus dem Mittelalter. So hätten immaterielle Vermögenswerte wie Daten und Algorithmen eine neue Form von Feudalrente hervorgebracht. Doch stimmt diese Analyse?
Von Paris bis Madrid wird die europäische Linke gerade vom sogenannten Technofeudalismus heimgesucht. Jean-Luc Mélenchon, Gründer der Bewegung La France insoumise, fordert einerseits Gewinnsteuern von den neuen „digitalen Feudalherren“, andererseits schreibt er, dass die künstliche Intelligenz (KI) „nicht außerhalb der kapitalistischen Realität steht: Sie ist Teil eines Technofeudalismus, in dem einige wenige Akteure die Feudalrenten einstreichen.“ Gewinne oder Renten? Kapitalismus oder Feudalismus? Mélenchons Wirtschaft ähnelt Schrödingers Katze, die durch die Straßen von Palo Alto streunt: Sie ist lebendig und tot, kapitalistisch und feudal.
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