Politik der Aufmerksamkeit
Gegen Trumps Autokratie der Hast hilft nur demokratische Geduld, meint Wolfram Eilenberger. Plädoyer für eine neue Herrschaftsform.
Sofern es eine Maxime gibt, die Donald Trumps Handeln seit Betreten der politischen Bühne verlässlich leitet, ist es das Streben nach medialer Omnipräsenz. Dieses Ziel wurde von ihm in einer Weise erreicht, die kaum überbietbar scheint. Oder können Sie sich an eine jüngere Vergangenheit erinnern, in der eine einzige Person die globale Aufmerksamkeit in vergleichbarer Weise gebunden hätte? Keine Morgennachricht, die ohne Nennung seines Namens auskäme. Keine geopolitische Entwicklung, die ohne seinen unsteten Willen abschätzbar erscheint. Gebannt sitzen wir an den Endgeräten und können nicht fassen, was wir gewahren. Tatsächlich hat sich in den Jahren unter Trumps digitalem Regiment eine dunkle Anverwandlung vollzogen. Längst ist die Aufmerksamkeitshast des Despoten unsere eigene geworden. Wie auch dessen offenbare Unfähigkeit, im Taumel der Ereignisse nur einen klärenden Gedanken zu fassen.
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