Klassiker

Schelling und die Klimakrise

Peter Neumann veröffentlicht am 8 min

Friedrich Wilhelm Joseph Schelling war der Naturphilosoph schlechthin. Vor über 200 Jahren kehrte er die Blickrichtung auf die Natur um und dachte sie als natura naturans, als freies, handelndes Subjekt. Seine Gedanken, die sich dem fortschrittsseligen Credo des 19. Jahrhunderts entgegenstellten, sind heute, in Zeiten der Klimakrise, auf nahezu unheimliche Weise aktuell.

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Artikel
10 min

Judith Butler und die Gender-Frage

Camille Froidevaux-Metteries

Nichts scheint natürlicher als die Aufteilung der Menschen in zwei Geschlechter. Es gibt Männer und es gibt Frauen, wie sich, so die gängige Auffassung, an biologischen Merkmalen, aber auch an geschlechtsspezifischen Eigenschaften unschwer erkennen lässt. Diese vermeintliche Gewissheit wird durch Judith Butlers poststrukturalistische Geschlechtertheorie fundamental erschüttert. Nicht nur das soziale Geschlecht (gender), sondern auch das biologische Geschlecht (sex) ist für Butler ein Effekt von Machtdiskursen. Die Fortpf lanzungsorgane zur „natürlichen“ Grundlage der Geschlechterdifferenz zu erklären, sei immer schon Teil der „heterosexuellen Matrix“, so die amerikanische Philosophin in ihrem grundlegenden Werk „Das Unbehagen der Geschlechter“, das in den USA vor 25 Jahren erstmals veröffentlicht wurde. Seine visionäre Kraft scheint sich gerade heute zu bewahrheiten. So hat der Bundesrat kürzlich einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der eine vollständige rechtliche Gleichstellung verheirateter homosexueller Paare vorsieht. Eine Entscheidung des Bundestags wird mit Spannung erwartet. Welche Rolle also wird die Biologie zukünftig noch spielen? Oder hat, wer so fragt, die Pointe Butlers schon missverstanden?

Camille Froidevaux-Metteries Essay hilft, Judith Butlers schwer zugängliches Werk zu verstehen. In ihm schlägt Butler nichts Geringeres vor als eine neue Weise, das Subjekt zu denken. Im Vorwort zum Beiheft beleuchtet Jeanne Burgart Goutal die Missverständnisse, die Butlers berühmte Abhandlung „Das Unbehagen der Geschlechter“ hervorgerufen hat.


Artikel
4 min

Big data vs. freies Leben: Wie berechenbar sind wir?

Wolfram Eilenberger

Niemals wissen oder auch nur ahnen zu können, was er als Nächstes sagen würde, das war es, was die Schriftstellerin Virginia Woolf an ihrem Gatten Leonard ganz besonders schätzte. Selbst nach vielen Jahren des Zusammenlebens war er ihr am Frühstückstisch ein Quell unabsehbarer Einfälle und Thesen. Nur so, nur deshalb konnte sie ihn wahrhaft lieben. Wenn ich mir selbst – und anderen – erklären muss, was ich an einer Welt, in der sich das Verhalten jedes Menschen zu jeden Zeitpunkt im Prinzip treffsicher prognostizieren ließe, so schrecklich fände, kommt mir immer diese kleine Anekdote in den Sinn. Denn jeder spürt sofort, sie trifft eine tiefe Wahrheit über unser aller Dasein.


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7 min

Thoreau und der amerikanische Traum

Cord Riechelmann

Amerika, das ist seit seiner Unabhängigkeitserklärung mehr als nur eine weitere Nation. Es steht für eine gewisse Idee des Daseins: für das Versprechen von Glück, für den Traum einer sich frei entwickelnden Individualität, für den Mut zu beständiger Selbstkritik und Dynamisierung. In diesem Sinne ist Henry David Thoreau, dessen Geburtstag sich am 17. Juli 2017 zum 200. Mal jährt, der amerikanische Philosoph par excellence. Sein Denken sucht den alten Widerstreit mit seinem Land. An die Stelle des Konsums und der Expansion tritt bei ihm die Beobachtung des Selbst und der Schutz der Natur. Cord Riechelmann erläutert, wie Thoreaus Naturphilosophie mit seinen politischen Idealen zusammenhängt. Und der Philosoph Dieter Thomä legt im Beiheft frei, inwieweit Thoreaus patriotische Kampfschrift „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat“ gerade heute jedem wahren Amerikaner aus der Seele sprechen muss.


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8 min

Ayn Rand und der Egoismus

Dominique Lecourt

In Deutschland ist sie bis heute so gut wie unbekannt. In den USA hingegen ist sie eine Kultfigur und ein intellektueller Superstar. Die in Russland geborene Schriftstellerin und Philosophin Ayn Rand (1905–1882), später eingebürgerte Amerikanerin, gilt heute als Ikone des Libertarismus und der Tea-Party-Bewegung. Sie wird von Unternehmern im Silicon Valley zitiert und ist auch in der Popkultur omnipräsent. Noch erstaunlicher ist: Ihr Einf luss auf das geistige Klima der USA wuchs mit der Finanzkrise von 2008, die aus europäischer Sicht gerade das Scheitern des Neoliberalismus zu zeigen scheint, noch einmal. Woher rührt diese Begeisterung? In ihren Romanen und Essays verteidigt sie vehement die individuellen Freiheiten und den Kapitalismus und kritisiert staatliches Eingreifen in die Wirtschaft. Ihr Credo: Nieder mit dem Altruismus, es lebe der „rationale Egoismus“, demzufolge man nur für sich selbst lebt. Sie spüren schon, wie sich in Ihnen Widerstand regt? Nehmen Sie sich dennoch die Zeit, Ayn Rand zu lesen. In diesem Dossier wird sie von drei Autoren vorgestellt, die der Denkerin wohlwollend gegenüberstehen: die Philosophen Dominique Lecourt und Alain Laurent sowie der kalifornische Unternehmer Peter Thiel. Danach liegt es ganz bei Ihnen, sich ein eigenes Urteil zu bilden.


Essay
6 min

Der Aussteiger

Dominik Erhard

Fünfzehn Jahre lang war Jan in der Neonaziszene aktiv. Vor sieben Jahren kehrte er ihr den Rücken. Die Auseinandersetzung mit philosophischen Werken hat ihn auf seinem Weg begleitet. Porträt über einen Mann, der seinen Platz in der Gesellschaft noch immer sucht.

Der Aussteiger

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Flüchtlingskrise - Unsere Verantwortung

Sie fliehen vor Tod, Gewalt, bitterer Armut. Sie sprechen eine fremde Sprache, besitzen oft nur noch das, was sie am Leib tragen. Es gibt wenige, die sich beim Anblick dieser Menschen nicht betroffen fühlen. Die nicht zu sich selbst oder offen sagen: Da muss man doch helfen! Kleider spenden. Deutschkurse anbieten. Die provisorisch eingerichteten Heime heimeliger gestalten. Sind nicht gerade wir Deutschen in der Pf licht nach all dem Leid, das wir über die Welt gebracht haben? Und, so meinen manche, immer noch über die Welt bringen durch Ausbeutungsverhältnisse, die mit schuld daran sind, dass diese Menschen ihre Heimat verlassen? In jedem Fall gilt das Grundrecht auf Asyl. Ohne Einschränkung. Gleichgültig, wie man die Notwendigkeit zu helfen moralisch begründet: Irgendwann drängt sich die Frage nach der Grenze auf. Kann unsere Pf licht, unsere Empathie, unsere Verantwortung wirklich das Leid der ganzen Welt umfassen? Wie lange, wie intensiv und über welche Distanzen hinweg können wir uns kümmern? Wie offen kann eine Gesellschaft sein in Zeiten des Terrors? Ist die Aufnahme der Flüchtlinge überhaupt die effektivste Weise, deren Leid zu mildern? Mit Impulsen von Hartmut Rosa, Volker Gerhardt, Hilge Landweer, Aleida Assmann, Marc Crépon, Armen Avanessian, Reinhard Merkel, David Miller und Peter Singer.

 


Gespräch
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Klaus Vieweg über die Aktualität Hegels

Philomag Redaktion

Warum ist der vor 250 Jahren geborene Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel ein Denker der Freiheit? Was macht sein Schaffen für uns heute noch relevant? Und welches seiner Werke ist das bedeutendste? Auf der diesjährigen phil.cologne sprechen wir im Videointerview mit Klaus Vieweg über die Aktualität des Philosophen. Klaus Vieweg, geboren 1953, ist Professor für klassische deutsche Philosophie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und einer der international führenden Hegel-Experten. Im Juli erschien sein Buch Hegel. Der Philosoph der Freiheit im C. H. Beck Verlag.

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Kaum zu glauben! - Vier Skeptiker

Yves Bossart

Skeptiker sind Querdenker. Mit einfallsreichen, bisweilen surreal anmutenden Gedankenexperimenten stellen sie die Grundlagen unseres Weltbildes infrage. Sie erweisen sich damit bis heute als die eigentlichen Motoren der Philosophiegeschichte. Ein Überblick der einflussreichsten Zweifels-Fälle. Und ihrer Entgegnungen.