Denkbeziehungen
Korrespondenzen zwischen Linken und Rechtskonservativen in der Nachkriegszeit belegen, dass man sich nicht scheute, über das eigene Lager hinaus im Austausch zu stehen. Thomas Wagner erzählt von fünf außergewöhnlichen Verhältnissen.
Sollte man mit Konservativen und Rechten reden, und kann man gar etwas von ihnen lernen? Hannah Arendt hätte diese heute häufig gestellte Frage wohl eher befremdet. Als sie 1961 für ein Radiogespräch mit Arnold Gehlen angefragt wurde, war die in die Emigration gezwungene Philosophin sofort einverstanden. Und das obwohl sie wusste, dass der Soziologe ein Nationalsozialist gewesen war und wie ihr eigener akademischer Lehrer Martin Heidegger somit aufseiten derjenigen gestanden hatte, vor denen sie in die USA hatte fliehen müssen. Die Sendung kam aufgrund von Terminschwierigkeiten letztlich nicht zustande, doch es wurde ein passender Ersatz gefunden. Statt Arendt bestritt Theodor W. Adorno dieses und noch weitere Rundfunkgespräche mit Gehlen. In den Augen des Kritischen Theoretikers lohnte es sich, vor einem großen Publikum mit dem autoritären Denker zu diskutieren.
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