Diana Kinnert: „Es ist mir ein Rätsel, warum Konservative sich von Emanzipation bedroht fühlen“
Diana Kinnert entspricht nicht dem typischen Bild einer Konservativen. Dennoch ist sie im Alter von 17 Jahren der CDU beigetreten. Konservatismus bedeutet für sie etwas anderes als fortschritts- feindliche Klischees.
Frau Kinnert, es scheint nicht viele konservative, weibliche Intellektuelle zu geben. Haben Sie eine Idee, warum das so ist?
Wenn der Konservatismus verstanden wird als etwas Sittsam-Repressives, etwas Autoritäres und Strukturkonservatives, das an bestimmte festgesetzte Inhalte gebunden ist – dann kann ich mir vorstellen, dass nicht nur Frauen, sondern der moderne Mensch allgemein sich damit nicht identifizieren kann. Aber ich verstehe den Konservatismus anders. Und wenn ich sage, was ich darunter verstehe, ohne ihn beim Namen zu nennen, denke ich, dass sich viele Leute damit identifizieren können.
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Wahrscheinlich geht es Ihnen derzeit ähnlich. Fast täglich muss ich mir aufs Neue eingestehen, wie viel Falsches ich die letzten Jahre für wahr und absolut unumstößlich gehalten habe. Und wie zweifelhaft mir deshalb nun alle Annahmen geworden sind, die auf diesem Fundament aufbauten. Niemand, dessen Urteilskraft ich traute, hat den Brexit ernsthaft für möglich gehalten. Niemand die Wahl Donald Trumps. Und hätte mir ein kundiger Freund vor nur zwei Jahren prophezeit, dass im Frühjahr 2017 der Fortbestand der USA als liberaler Rechtsstaat ebenso ernsthaft infrage steht wie die Zukunft der EU, ich hätte ihn als unheilbaren Apokalyptiker belächelt. Auf die Frage, woran ich derzeit am meisten zweifle, vermag ich deshalb nur eine ehrliche Antwort zu geben: Ich zweifle an mir selbst. Nicht zuletzt frage ich mich, ob die wundersam stabile Weltordnung, in der ich als Westeuropäer meine gesamte bisherige Lebenszeit verbringen durfte, sich nicht nur als kurze Traumepisode erweisen könnte, aus der wir nun alle gemeinsam schmerzhaft erwachen müssen. Es sind Zweifel, die mich tief verunsichern. Nur allzu gern wüsste ich sie durch eindeutige Fakten, klärende Methoden oder auch nur glaubhafte Verheißungen zu befrieden.