Thomas von der Osten-Sacken: „Die Islamische Republik Iran ist ein sterbendes Regime“
Seit einer Woche sind die Menschen im Iran von der Außenwelt abgeschnitten. Es ist von starken Repressionen und Massakern angesichts anhaltender Massenproteste gegen das Regime auszugehen. Thomas von der Osten-Sacken erklärt, inwiefern die Proteste sich von bisherigen unterscheiden und blickt auf die Chancen der iranischen Opposition.
Seit Ende Dezember 2025 kommt es im Iran ein weiteres Mal zu massiven Protesten. Wie schon bei den vorigen Protestbewegungen fordern die Demonstrierenden das Ende des islamistischen Regimes, das seit 1979 brutal herrscht. Wie würden Sie die aktuelle Situation im Iran in a nutshell charakterisieren?
Von der iranischen Opposition wird momentan von insgesamt bis zu 20.000 Toten gesprochen. Das ist schon wahnsinnig viel, auch im Vergleich zu der Niederschlagung von anderen Protesten, Protestwellen oder Bewegungen. Es ist zu befürchten, dass diese Schätzung der Realität relativ nahekommt, da das Regime heute offiziell eine Zahl von 2.000 Toten angegeben hat. Zu vielen Menschen im Iran, die ich persönlich kenne, habe ich seit Donnerstag letzter Woche überhaupt keinen Kontakt mehr, da das Regime das Internet-, Handynetz- und Festnetz komplett abgeschaltet hat. Bislang waren diese Blackouts immer das Zeichen, dass das Go von oben gekommen ist, gegen Proteste mit absolut massiver Gewalt und Repression vorzugehen.
Die letzten großen regimefeindlichen Proteste hatten sich im September 2022 am Tod von Jina Mahsa Amini entzündet, einer jungen kurdisch-stämmigen Iranerin, die von der Sittenpolizei wegen „unzüchtiger Kleidung“ festgenommen, in Polizeigewahrsam misshandelt wurde und anschließend starb. Die landesweit protestierende Frau-Leben-Freiheit-Bewegung wurde vom Regime brutal niedergeschlagen. Was ist dieses Mal neu?
Die Gründe für die Proteste in den letzten Jahren sind im Prinzip immer die gleichen: und das ist das System, die Islamische Republik an sich. Sie ist ein absoluter failing state, ein sterbendes Regime, das den Menschen überhaupt nichts mehr zu bieten hat und nur noch durch die Repression zusammengehalten wird. Die ökonomische Situation verschlechtert sich kontinuierlich. So hat die Währung massiv an Wert verloren, die Lebenshaltungskosten sind so stark gestiegen, dass sich auch die Mittelschichten kaum noch mit dem Nötigsten eindecken können. Dazu kommt die immer wieder unterbrochene Versorgung mit Elektrizität. Gegen das Regime wenden sich aktuell ganz viele junge Leute, die normalerweise gar nicht unbedingt besonders politisch sind. Sie revoltieren aber, weil sie die Bevormundung satthaben, weil sie keine Lust mehr haben auf Sittenwächter und auf die ganze islamistische Ideologie. In den letzten Tagen sind bei Auseinandersetzungen daher auch viele Moscheen in Brand gesetzt worden.
Welche Rolle spielen Frauen und die Forderung nach Frauenrechten in den aktuellen Protesten?
Die Islamische Republik hat zwei tragende Säulen. Das ist zum einen die Zerstörung Israels und zum zweiten die systemische Ungleichheit zwischen Frauen und Männern. Man kann mit Teheran über alles verhandeln, darüber aber nicht. Wenn man eine dieser zwei Säulen wegschlägt, dann stürzt das Regime zusammen. Daher ist eine abstrakte Gleichheit von Frauen vor dem Gesetz der neuralgische Punkt – und genau der Punkt, an dem die Leute die Systemfrage stellen, einfach weil die Unterdrückung von Frauen tägliche Realität vor Ort ist. Dieses Thema, das 2022 bei der „Frau-Leben- Freiheit“-Bewegung so derartig im Vordergrund gestanden ist, war unglaublich wichtig. Genauso wichtig war aber auch, dass ihr Slogan „Jin, Jiyan, Azadî“ („Frau, Leben, Freiheit“) ursprünglich eine kurdische Parole ist.
Der Iran ist ein Vielvölkerstaat, in dem Perser etwas mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die anderen ethnischen Gruppen sind Kurden, Aserbaidschaner, Luren und Balutschen, die größtenteils in bestimmten Provinzen ansässig sind.
Eine ganz große Frage ist nun: Sind die aktuellen Protestbewegungen persisch-nationalistisch oder integrativ für alle Gruppen? Vor „Frau-Leben-Freiheit“ hatten alle Protestbewegungen stets einen leichten Hang zum persischen Nationalismus und daher auch weniger Unterstützung durch die anderen Nationalitäten. 2022 wurde über den für die Bewegung zentralen Slogan „Jin, Jiyan, Azadî“ die kurdische Existenz weitgehend anerkannt. Die ethnischen Unterschiede spielen aber auch in Bezug auf die Repression eine Rolle. Wenn in Täbris, in Sanandadsch oder irgendeiner anderen mehrheitlich nicht-persischen Stadt protestiert wird, dann gehen Sicherheitskräfte brutaler vor, als sie das in Teheran, Shiraz oder Isfahan tun.
Warum zerbröselt das Regime nicht von innen, etwa indem Teile der Sicherheitskräfte ausscheren?
Ich denke, hier helfen die Analysen von Franz Neumann zum Behemoth, dem nationalsozialistischen „Unstaat“, oder von Hannah Arendt zu totalitären Systemen. Solche Regime haben stets eine Tendenz, die bestehenden, wenn man so will: klassischen Sicherheitskräfte mit eigenständigen, äußerst loyalen Milizen zu überwölben. Das kennen wir mit der SS und SA auch aus der deutschen Geschichte. Auch im Iran ist das sehr stark ausgeprägt. Die klassischen staatlichen Sicherheitsdienste, wie Armee oder Polizei, sind von Anfang an relativ geschwächt worden. Gestärkt wurden hingegen die Revolutionsgarden, die eine der wichtigsten und mächtigsten Institution der Islamischen Republik ist und über ein eigenes Heer, über eine eigene Marine und Luftstreitkraft sowie über einen eigenen Geheimdienst verfügt, sowie die Bassiji-Milizen, das sind die Schlägertrupps auf der Straße, die von fast allen Iranerinnen und Iranern als Feinde betrachtet werden. Deren Loyalität gilt aber ohnehin nicht dem iranischen Nationalstaat oder der Bevölkerung, sondern dem obersten Revolutionsführer Ali Chamenei und der Islamischen Revolution als Idee. Diese strukturelle Ausgangslage verändert die Chancen auf einen Erfolg von Aufständen und Protesten gegen das Regime.
Und wo sehen Sie eine derartige Chance?
Wenn die Proteste über eine längere Zeit wirklich überall gleichzeitig stattfinden, sodass die Sicherheitskräfte einfach nicht in der Lage sind, solche zu kontrollieren und zusammenzuschießen. Bislang war es ihnen allerdings immer gelungen, zunächst das persische Kernland stillzulegen und die Proteste dann anschließend und nacheinander in Kurdistan und den anderen Gebieten niederzuschlagen. Das Regime ist ja nicht blöd: Vor dem Hintergrund der in den letzten Jahren regelmäßig aufkommenden Protestwellen haben die Repressionsorgane Strategien gegen Massenproteste entwickelt. Das ist immer eine actio und re-actio. Ob die jungen Protestierenden im Iran in den letzten Jahren auch ihrerseits neue Strategien entwickelt haben, kann ich aktuell nicht einschätzen. Andernorts, etwa in Marokko, hat man sich bei den letzten großen Demonstrationen zum Beispiel auf Gaming-Seiten, die ein bisschen außerhalb des Blicks der Zensoren und Geheimdienste gewesen sind, im Vorfeld sehr stark ausgetauscht, um die Proteste zu organisieren.
Anlässlich des Jahrestages des Beginns von „Frau-Leben-Freiheit“ hatte der amerikanisch-iranische Historiker Arash Azizi im Interview mit dem Philosophie Magazin scharfe Kritik an der iranischen Opposition geübt. Er monierte vor allem die mangelnde Organisierung der demokratischen Opposition im Iran und im Exil, die nötig sei für eine nachhaltige Transformation der Gesellschaft nach einem möglichen Sturz des Regimes. Wie ist das bei den aktuellen Protesten?
Gerade im Iran ist die Opposition komplett ineffizient und zersplittert. Das liegt einerseits daran, dass so ein System in den 50 Jahren seiner Existenz natürlich in der Lage gewesen ist, jede Form von radikaler Opposition einfach per Repression auszuschalten oder zu zerschlagen. Die einzigen Wege, das Regime effizient zu provozieren, sind daher diese führerlosen, rhizomatischen Massenproteste, die in den letzten 20 Jahren auch global sehr ausgeprägt waren. Wenn sie kurz und extrem massiv auftreten, können sie sehr wirkungsvoll sein. In Nepal etwa war das im letzten Jahr sehr erfolgreich, als wie aus dem Nichts Massen militant auf der Straße aufgetreten sind und die Regierung und Sicherheitskräfte völlig überwältigt haben, sodass das Regime in einer sehr kurzen Zeit gestürzt werden konnte. In Madagaskar war das ähnlich. Ein ganz zentraler Streitpunkt in der iranischen Opposition im Land selbst, aber auch im Exil, ist die Frage, ob sie den Sohn des früheren Schahs als konstitutionellen Monarchen unterstützt und den Iran in eine Monarchie verwandelt sehen will. Die Anhängerinnen und Anhänger von Reza Pahlavi, dem Sohn des ehemaligen Schahs des Irans, sind in den letzten Jahren zumindest öffentlich präsenter geworden. Viele Leute im Iran erhoffen sich, dass der Schah durch seine Kontakte in die Trump-Administration und nach Israel eine Unterstützung von außen mobilisieren kann, die andere Oppositionelle schlicht und ergreifend nicht haben. Weil es de facto überhaupt keine namhaften Integrationsfigur für die Opposition gibt, erhoffen sich viele Leute über die Person Reza Pahlavi irgendeine Art von Zusammenhalt.
Warum dieser Bezug zu einem Nachfahren eines Herrschers, der das Land zwar modernisiert, aber auch sehr autoritär regiert hat und deshalb 1979 gestürzt worden ist? Ist das eine „Retrotopie“, eine Art Nostalgie, die gerade bei jenen verfängt, die diese Zeit nie selbst erlebt haben?
Wenn bürgerliche Gesellschaften keine Zukunft mehr haben, fangen sie an, in die Vergangenheit zurückzublicken. Global leben wir momentan in einer Welt, in der es letztlich keine Zukunft gibt. In einer Situation, in der große Krisen herrschen und faschistische Gewaltlösungen vor der Haustür stehen, entwickeln sehr viele Menschen Vorstellungen von einer bestimmten Vergangenheit, in die er oder sie gerne zurück möchte. Auch im Iran ist das ein bisschen so, nach dem Motto: Lass uns doch einfach zurückgehen in die 70er Jahre, und dann gestalten wir die Zukunft ein bisschen anders. Genau für diese Vorstellung steht die Figur Reza Pahlavi. Aber selbst wenn die Iraner wirklich mal an einem Tisch sitzen sollten und über eine gemeinsame Zukunft verhandeln würden, könnten sie sich nicht darauf einigen, was sie eigentlich wollen: Zum Beispiel eine zentralstaatliche Republik oder ein föderales System? Und was genau bedeutet ein föderales System? Hier geht der Streit schon los. Ob wir das wollen oder nicht, diese nationale Frage ist im Iran einfach da. Das umgeht man, wenn man einfach eine Monarchie fordert, in der die Menschen Untertanen sind – und nicht Bürger. Es geht dabei genau um diese alten Fragen, die wir aus dem Europa des 19. und 20. Jahrhunderts kennen: Wer ist eigentlich der Souverän? Und als was bin ich souverän? Im gesamten Nahen Osten erleben wir im Prinzip seit 25 Jahren ein ununterbrochenes 1848, wo es um die ganz grundlegenden Fragen geht: Was ist ein Staatsbürger? Was ist ein Gesetz? Was ist der Souverän? Welche Rolle hat das Parlament? Was ist ein föderales System? Was ist ein zentralistisches System? Was ist nationales Selbstbestimmungsrecht? Es geht also nicht um Kultur und Religion, sondern um diese ganz zentralen Fragen der Moderne.
Was würde mit dem Iran nach dem Sturz der Mullahs passieren?
Auf der Welt gibt es momentan niemanden, der irgendeine Vorstellung davon hat. Es gibt auch niemanden, der ernsthaft sagen kann, wer in diesem Fall die relevanten Akteure wären, die zum Beispiel militärisch die Machtfrage stellen können und nach der Machtübernahme in der Lage sind, mittels bewaffneter Kräfte so etwas wie eine minimale Ordnung aufrechtzuerhalten und später dann auch international zumindest von sehr vielen Akteuren sehr schnell als neue Regierung anerkannt werden. Die große Angst ist, dass der Iran nach dem Sturz des Regimes erstmal zerfällt und ein Vakuum entsteht, in dem die Kräfte des alten Regimes noch über Unmengen an Waffen verfügen und einen bewaffneten Kampf oder Terrorkampagnen beginnen könnten. Dazu kommen die Zentripetalkräfte der Nationalitäten, die für mehr Selbstbestimmung kämpfen und das Ganze in einem Riesenland, das vermutlich das wichtigste Land in dieser ganzen Region ist. Ein Sturz des Regimes in Teheran mit seinen ganzen internationalen Verbindungen, seiner geostrategischen Lage würde Beben verursachen, die bis weit nach Indien reichen, in die Türkei und in die Golfstaaten.
Wie wirken die aktuellen Proteste und die extrem geschwächte regionale Machtposition des Regimes zusammen?
Das imperiale Projekt des iranischen Regimes war der Versuch, über Schiiten im Nahen Osten, im Jemen, im Libanon, in Syrien ein Imperium zu errichten, das historisch an das alte persische Reich wieder anknüpft. Die Idee, die Kontrolle über drei Meere zu erlangen, ist eine Anlehnung an dieses alte persische Reich. Das war unheimlich geldintensiv und zielte immer auf die Zerstörung Israels. In seinem Expansionismus und seinen geopolitischen Ambitionen hat das iranische Regime gerade im letzten Jahr eine üble Bauchlandung hingelegt: mit den Angriffen Israels auf die Hisbollah im Libanon und vor allen Dingen mit dem Sturz von Assad, der das Scharnierstück in diesem Reich war, weshalb man derartig viel Geld in dieses Regime reingepumpt hat. Im gesamten Nahen Osten ist der Iran für viele Menschen ein imperialistischer Bösewicht, der seine anti-imperialistische Aura verloren hat. Wir haben es aktuell mit einem extrem geschwächten Regime zu tun, das nicht mehr expandiert, sondern sich zusammenzieht und mit dem Zwölftagekrieg militärisch eine wahnsinnige Niederlage gegen Israel und die USA erlebt hat. Historisch wissen wir, dass solche militärischen Niederlagen immer der Anfang vom Ende gewesen sind, egal, ob da jemand noch mal ein paar Monate oder ein Jahr oder noch etwas länger am Ruder ist. So eine krachende militärische Niederlage wie im Sommer 2025 ist sehr, sehr schwer zu verkraften – noch dazu, wenn man sie gegen seine Erzfeinde einstecken musste.
Wünschen sich viele Iraner eine militärische Intervention der USA und Israels und würde das die Proteste eher beflügeln oder ausbremsen?
Ich denke, die meisten Iraner würden sich wünschen, sie könnten aus eigener Kraft das Regime stürzen. Sie wissen nur, dass dies angesichts der Repression so gut wie unmöglich ist. Deshalb hoffen sie auf äußere Unterstützung, eben weil ein Ende des Regimes ihnen ein zentrales Anliegen ist. Dazu kommt, dass Trump sie in den letzten Tagen quasi zur Rebellion aufgerufen, das heißt entsprechende Erwartungen geweckt hat, die er bislang allerdings nicht erfüllte. Zudem gibt es seit Jahren ganz andere, nicht-militärische Mittel, um die Opposition zu unterstützen, etwa durch Bereitstellung sicherer Kommunikationskanäle, eine Störung der Sicherheitskräfte und vieles mehr. Die wurden aber auch nicht getätigt, zum Beispiel von den USA. Israel hat bislang sehr deutlich erklärt, dass es sich, sofern es nicht selbst vom Iran angegriffen wird, herauszuhalten plant. Die EU hat seit Jahren eine härtere konsequente Gangart gegenüber Teheran vermissen lassen und ist selbst Minimalforderungen, wie die Revolutionsgarden auf die Terrorliste zu setzen, nicht nachgekommen. Das wäre auch heute noch ein wichtiger Schritt, würde aber Versäumtes nicht aufholen.•
Thomas von der Osten-Sacken ist Journalist und freier Publizist mit Schwerpunkt Naher Osten sowie Geschäftsführer und Mitbegründer der deutsch-irakischen Hilfsorganisation Wadi e. V.
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