Die kämpfende Erzählerin
Die indische Bestsellerautorin Arundhati Roy verbindet Widerstand und Imagination: In ihren Essays streitet sie für Demokratie und gegen Nationalismus, Kastenwesen oder andere Ungerechtigkeiten. Mit ihrem Roman Der Gott der kleinen Dinge wurde sie weltberühmt. Jetzt hat sie ein Memoir veröffentlicht, in dessen Zentrum die Mutter steht.
Vielleicht sind die folgenreichsten Ereignisse der jüngeren Weltliteratur mit den Namen zweier indischer, jedoch englisch schreibender Autoren verknüpft: 1988 erschien Salman Rushdies Roman The Satanic Verses und zog sogleich den Hass fundamentalistischer Muslime auf sich. 1997 kam The God of Small Things heraus, Arundhati Roys erster und lange auch einziger Roman. Der Gott der kleinen Dinge wurde ein Erfolg wie nur wenige Bücher zuvor – und das unerreichte Vorbild aller Creative-Writing-Kurse dieser Welt. Westliche Kritiker wie John Updike dachten an Faulkner und Dickens. Gleichzeitig eröffnete das Buch eine innerindische Kampagne gegen Roys Person und Positionen, die – ähnlich wie im Falle Rushdies, aber doch ganz anders gelagert – bis heute andauert.
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