Thomas Grundmann: „Der Common Sense ist schon oft auf der falschen Seite angelangt“
In einer Welt voller Informationen und spezialisiertem Wissen sind Expert:innen Autoritäten, denen wir folgen sollten, meint der Philosoph Thomas Grundmann. Ein Gespräch über die Grenzen und die Notwendigkeit kritischen Denkens – von Verschwörungstheorien bis hin zu den Lehren aus der Corona-Pandemie.
Herr Grundmann, Sie argumentieren, dass Lai:innen Expert:innenmeinungen annehmen sollten, ohne sie gegen ihre eigenen Überlegungen abzuwägen. Warum sollten sie das tun?
Wir haben seit 300 Jahren eine extreme Beschleunigung des Wissenszuwachses in der Gesellschaft. Das ist vor allem durch den Siegeszug der Wissenschaft und die unheimlich starken Spezialisierungen zu erklären. Für die Gesellschaft bedeutet das einen großen Fortschritt, der aber durch extrem starke Asymmetrien erkauft ist: Lai:innen hängen von Expert:innen ab, denn Expert:innen treffen wahrscheinlicher die Wahrheit. Wenn Lai:innen das sehen und verstehen, ist es eigentlich natürlich, dass sie Expert:innen folgen.
Aus welchem Anlass haben Sie sich dem Begriff der Expert:innenautorität angenommen?
Es gibt ein sehr großes Unbehagen gegenüber Autorität. Das ist unter anderem das Ergebnis der Aufklärung – Menschen möchten ihrer Vernunft folgen. Deshalb ist es sehr wichtig, verschiedene Autoritätsbegriffe zu unterscheiden. Im Alten Testament gibt es einen archaischen Autoritätsbegriff. Gott verlangt von Abraham, seinen Sohn zu opfern. Er fordert blinden Gehorsam, jede Art von Kritik und eigene vernünftige Einsicht werden abgelehnt. Die andere Form von Autorität ist eine vernünftige Unterordnung. Die passiert durch Einsicht. Wenn Lai:innen erfassen, dass Expert:innen kompetenter als sie selbst urteilen, dann gibt es einen guten Grund dafür, dieses Urteil zu übernehmen. In dem Fachbereich der Expert:innen schaltet man das eigene Nachdenken für den Moment komplett aus. Das ist erst einmal eine überraschend starke Konzeption von Autorität. Deswegen, dachte ich, muss man das genau ausarbeiten und gegen Kritik verteidigen.
Um welche Art von Expert:innen geht es in Ihrem Buch?
Mir geht es um wissenschaftliche Expert:innen. Sie erfüllen die Testkriterien: eine harte Ausbildung, den Wettbewerb und sie haben Zugang zu sehr guten Ressourcen. Aber es gibt Bereiche – und das sind im Grunde viele Geisteswissenschaften – in denen Lai:innen eigene Gründe haben, die die Expert:innen gar nicht kennen können. Auch in der Medizin, den Gesellschaftswissenschaften und vielleicht auch der Geschichte gibt es eben Betroffene und vielleicht auch Zeitzeug:innen. Ein Beispiel: Ich gehe zu einer Ärzt:in und sie kennt meine Symptome nicht. Die Expert:in kann in diesem Fall nicht alle Belege berücksichtigen. Die Lai:in kann der Expert:in ihre Belege aber zur Verfügung stellen. Ich nenne der Ärzt:in also alle von mir beobachteten Symptome. Jetzt hat sie alle meine Belege und kann als Autorität ein Urteil über die Ursache und die richtige Diagnose treffen. Insofern stimmt es eben nicht ganz, dass Lai:innen gar nicht selbst denken dürfen.
Wie können Lai:innen die Expert:innen richtig erkennen?
Es reicht natürlich nicht aus, dass eine Expert:in behauptet, dass sie Expert:in ist, oder, dass sie diesen Ruf hat. Man braucht zuverlässige Indikatoren. Bei wissenschaftlichen Expert:innen sind das soziale Kriterien: Welche Ausbildung hat die Person? Wo hat sie publiziert? Hat sie eine herausragende Stellung unter den Wissenschaftler:innen? Stimmen andere Expert:innen in der Regel zu? Je mehr von diesen Kriterien erfüllt sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie eine besonders gute Expert:in ist.
Wenn nun, wie es auch in der deutschen Geschichte vorgekommen ist, Pseudowissenschaften wie die Eugenik um das 20. Jahrhundert international durch eigene Institutionen und prominente Vertreter legitim erschienen, sollten Lai:innen dann nicht doch skeptisch gegenüber solchen sozialen Kriterien sein?
Es hat im 19. und 20. Jahrhundert tatsächlich eine wissenschaftliche Eugenik gegeben, auf die die abscheuliche Eugenik des Nationalsozialismus aber auch, weniger bekannt, die großen Sterilisationsprojekte in den USA zurückgegriffen haben. Nach der wissenschaftlichen Eugenik kann man die Menschheit durch künstliche Eingriffe in die Selektion verbessern oder eine Degeneration vermeiden. Man muss nur die Fortpflanzung der fittesten Menschen erleichtern und die Fortpflanzung kranker oder unfitter Menschen verhindern. Häufig wird behauptet, dass wir in der wissenschaftlichen Eugenik einen klaren Fall von einem wissenschaftlichem Konsens bezüglich falscher Thesen haben. Wie neuere Studien der Wissenschaftshistorikerin Naomi Oreskes zeigen, gab es aber über die Thesen der Eugenik in der Wissenschaft niemals einen breiten Konsens. Viele namhafte Wissenschaftler:innen wie die Genetiker J.B.S. Haldane und Hermann Muller machten bereits Anfang des 20. Jahrhunderts darauf aufmerksam, dass Kriminalität, Alkoholismus, geistige Erkrankungen oder Scheitern im Leben viele verschiedene Ursachen haben können, darunter maßgeblich Umweltfaktoren. Sie lehnten den genetischen Determinismus, der der Eugenik zugrunde liegt, entschieden ab und wiesen auf signifikante methodische Schwächen der eugenischen Theorien hin. Insofern ist auch die Eugenik kein gutes Beispiel für einen breiten wissenschaftlichen Konsens über eine unwahre These.
Dennoch will ich nicht behaupten, dass wissenschaftliche Konsense Wahrheit garantieren. Aufgrund der Fehlbarkeit der Wissenschaften ist auch ein falscher Konsens im Prinzip möglich. Nur sollten Lai:innen den Konsens nicht aufgrund ihrer eigenen fachlichen Überlegungen kritisieren, denn die Wahrscheinlichkeit der Wahrheit des wissenschaftlichen Konsenses ist um ein Vielfaches höher. Das Einzige, was Lai:innen tun können, ist zu untersuchen, ob wissenschaftliche Konsense unter politischem Druck oder innerhalb zu wenig diverser Gruppen zustande gekommen sind. In solchen Fällen müssen sie der wissenschaftlichen Mehrheitsmeinung nicht folgen. Ansonsten können Lai:innen nur auf die Selbstkorrekturkräfte der Wissenschaft vertrauen.
Wie begründet sich die Autorität der Expert:in gegenüber der Lai:in?
Die Lai:in hört eine Aussage, die zum Beispiel eine Mathematiker:in innerhalb der Mathematik trifft. Jetzt hat auch die Lai:in Gedanken dazu, vielleicht hat sie sich schon mit mathematischen Problemen beschäftigt und findet bestimmte Dinge nicht nachvollziehbar. Was macht sie? Soll sie selbst abschätzen, was das Ergebnis sein könnte, und dann schauen, ob das mit der Aussage der Expert:in übereinstimmt?
Nein, denn die Lai:in nutzt Belege, um über die Richtigkeit der Aussage zu urteilen. In dem Mathematikbeispiel wären das grundlegende mathematische Prinzipien. Und sie weiß, dass dieselben Belege schon von der Expert:in berücksichtigt und besser ausgewertet wurden. Dieselben Belege zweimal zu nutzen, um darauf ein Urteil zu stützen, ist irrational. Stellen Sie sich vor, Sie haben irgendwann einmal bestimmte Belege berücksichtigt, als Sie einen Artikel geschrieben haben. Dann vergessen Sie das. Später hören Sie ähnliche Belege und denken: jetzt habe ich noch zusätzliche Belege bekommen. Dann kann ich noch sicherer sein, dass das stimmt. Die hatten Sie aber schon benutzt, um einen bestimmten Glaubensgrad zu haben. Das kann die Lai:in durchschauen, wenn sie sich die Mühe macht. Dann sieht sie, dass es irrational wäre, wenn sie denselben Beleg noch einmal zusätzlich ins Gewicht bringen würde. Deswegen sollte sie es nicht tun.
Als Lai:in könnte ich sagen: es mag der gleiche Beleg sein, aber er ist ja aus einer anderen Quelle. Spielt das keine Rolle?
Ein und derselbe Beleg kann von verschiedenen Personen genutzt werden. Was wir wahrnehmen, ist aber derselbe Inhalt und das ist dann derselbe Beleg. Und in Bezug auf die Auswertung dieser Belege wissen wir ja schon, dass die Expert:in darin sehr wahrscheinlich zuverlässiger ist als wir selbst.
Wenn ich diese guten Gründe habe zu glauben, dass mir eine Expert:in gegenübersteht und ich dem Zeugnis folgen sollte, wie kann ich dann noch kritisch denken?
Ich unterscheide eine Kritik innerhalb und außerhalb eines Fachbereichs. Eine Mathematiker:in legt einen Beweis vor und ich zeige, dass der Beweis nicht gültig ist. Das wäre eine fachinterne Kritik. Wenn ich das als Lai:in nicht machen darf, kann ich immer noch externe Kritik üben. Man kann etwa feststellen, dass finanzielle Interessen in dem Bereich im Spiel sind, in dem die Expert:in ein Urteil trifft. Genauso, wenn die Expert:in politische Absichten hat und bestimmte Thesen nur deshalb vertritt, weil sie bestimmte Ziele erreichen will. All das kann man außerhalb des Fachbereichs erfassen und auch kritisieren.
Der simpelste Fall wäre: eine Expert:in führt eine hochkomplexe Berechnung durch und ich kann nicht beurteilen, ob das richtig ist. Aber ich merke, die Person ist extrem übermüdet. In diesem Fall sollte ich ihr nicht folgen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Fehler gemacht hat, sehr hoch ist. Diese Kritik kann ich üben, ohne Fachkompetenz zu haben.
Ist es aber nicht ohnehin so, dass Lai:innen meistens fachextern kritisieren und nicht -intern? Wer würde mit einer Mikrobiolog:in über die Zusammensetzung von Proteinen streiten?
In interessanten Feldern ist es tatsächlich nicht so. Ich habe in dem Buch unter anderem die sogenannten Verschwörungstheorien behandelt. Da kann man sehen, dass Menschen meistens Alltagsüberlegungen ins Spiel bringen, um wissenschaftliche Theorien, die plötzlich politisch brisant sind, zurückzuweisen. Der berühmteste Fall ist vielleicht der Einsturz des World Trade Centers. Da gab es die Leute, die sagten: das kann nicht durch den Flugzeugabsturz verursacht sein, weil ein so großes Gebäude, das solide Stahlträger hat, nicht einfach in sich zusammenfallen kann – dann noch mit der Geschwindigkeit von Dingen im freien Fall. Die bessere Erklärung muss doch sein, es sind Sprengsätze auf allen Etagen platziert und gezündet worden, eine Verschwörung steckt dahinter. Expert:innen haben berechnet, was in so einem Fall passiert. Lai:innen können nun einen Plausibilitäts-Check durchführen. Wenn die Berechnung komplett unplausibel wirkt, wird sie zurückgewiesen. Aber das Dumme ist, dass die Ergebnisse der Wissenschaften oft kontraintuitiv sind. Sie sprechen komplett gegen das, was der gesunde Menschenverstand nahelegt. Deswegen sind Plausibilitätschecks oft die Methode zum Irrtum. Der Common Sense ist, wissenschaftlich betrachtet, schon oft auf der falschen Seite angelangt.
Sollte eine Expert:innenaussage diese starke Autorität behalten, wenn sie über andere Lai:innen, zum Beispiel in den Medien, weitergegeben wird?
Die Frage betrifft den Wissenschaftsjournalismus und den Journalismus allgemein. Sofern die Rezipient:innen davon ausgehen können, dass die Journalist:innen die Expert:innenmeinung richtig wiedergeben, sollten sie ihr auch folgen. Aber da das oft einfach nicht so klar ist, sollte das Gewicht bei der verbreiteten Äußerung geringer sein. Journalist:innen wissen besser, wie sie verstanden werden, aber Verkürzungen bergen die Gefahr von Verzerrungen. Wenn Expert:innen direkt kommunizieren, ist das nicht gegeben – aber möglicherweise drücken sie sich kompliziert und dadurch missverständlich aus. Expert:innen sollten öffentlich auch Distanz gegenüber ihrer eigenen Position einnehmen und aus der dritten Person-Perspektive sprechen, aber das können sie oft gar nicht so gut. Es ist ein Dilemma, dass Expert:innen selbst oft nicht die besten Kommunikator:innen sind.
Sie schreiben, dass Expert:innen keine Handlungsanweisungen geben sollen. Sie können im Bereich ihrer Expertise Urteile fällen und diese darstellen. Alles, was danach kommt, muss jemand anderes tun?
Ja, es gibt auf dem Weg vom Expert:innenurteil zum Handeln einige Probleme. Zwei davon sieht man besonders gut in der Politik. Das eine Problem ist: Handlungen beruhen meistens auf mehr Aspekten als eine Expert:in im Blick hat. Das haben wir in der Pandemie gesehen. Da spielten eben nicht nur gesundheitliche oder epidemiologische Aspekte eine Rolle, sondern auch pädagogische, rechtliche, ökonomische und philosophische Fragen von Grundrechtseinschnitten. Dafür brauchen wir Expert:innen-Panels. Die müssten die verschiedenen Meinungen miteinander abgleichen und aggregieren. Am Ende bleibt auch noch die Frage, welche Werte richtig sind. Wie stark darf man das Leben einer Einzelnen zum Vorteil des Prosperierens der Gesamtgesellschaft gefährden? Hier hat man gar keine Mehrheitsmeinung von Expert:innen – und damit tun sich Entscheidungsspielräume auf.
Da muss man Meinungsbildung in der Gesellschaft betreiben. Dennoch sollte nicht der ganze Prozess durch eine politische Deliberation ersetzt werden. Da zeigt sich das zweite Problem. Manche Politiker:innen wollten in der Pandemie Entscheidungsspielräume ausweiten. Ich erinnere mich an Armin Laschet, der sagte: Wenn die Expert:innen nicht entscheiden können, was der relevante Wert ist, der R-Wert oder ein anderer, dann müssen das die Politiker:innen tun. Ich würde sagen: Nein. Wenn diese Fragen kontrovers sind, können die Politiker:innen nicht einfach entscheiden. Sie können nicht einfach sagen, was wissenschaftlich relevant ist.
Wie würden Sie denn die Rolle einschätzen, die dem Virologen Christian Drosten während der Pandemie zukam? Er wurde teilweise als jemand wahrgenommen, dessen Expertenmeinung stark in den politischen Raum hineinreichte.
Es gab hinterher eine große Diskussion darüber, ob Drosten Schulschließungen empfohlen hat. Wenn man einmal genauer hinschaut, hat er aber immer nur gesagt: Es gibt gewisse Anzeichen dafür, dass Kinder bis zu einem gewissen Grad auch Treiber der Pandemie sind. Er hat nicht gesagt, dass man daraus eine bestimmte Konsequenz ziehen und Schulen schließen soll. Das wurde in der Öffentlichkeit manchmal verkürzt dargestellt. Wenn man sich das anschaut, und das ist in dem NDR Podcast „Coronavirus-Update“ sehr gut dokumentiert, sieht man, dass er eigentlich viel moderater war. Er hatte sogar eigene Podcast-Sendungen zur Kommunikation von Wissenschaft in den Medien gemacht, wo er auch gezeigt hat, wie leicht Verfälschungen stattfinden – wie schwer es auch für Wissenschaftler:innen ist, nicht unter die Räder von solchen Vereinnahmungen zu geraten.
Letztendlich sprechen Sie den Lai:innen viel Verantwortung zu. Die Lai:in muss die Expert:in richtig identifizieren, den Bereich der Expertise abstecken können und dann auch noch wissen, an welcher Stelle ihre eigene Expertise endet. Denken Sie, das ist umsetzbar?
Man könnte denken, die Lai:innen sind dadurch überfordert. Ich glaube, dass Lai:innen auch auf die Hilfe von Bildungsinstitutionen und öffentlichen Wissenschaftsplattformen angewiesen sind. In den Schulen wird bisher zu wenig getan. Schülerinnen und Schüler sollten lernen zu verstehen, wie Wissenschaft überhaupt funktioniert und warum Wissenschaft ein sehr guter Weg zur Wahrheit ist. Es wird oft so aufgefasst, als ob Wissenschaftler:innen Narrative verbreiten, und man letztlich die Wahl hat, ob man der wissenschaftlichen Weltanschauung oder irgendeiner anderen folgt. Aber wenn man genau schaut, welche Ressourcen, Ausbildung und Spezialisierung da hineinfließen, dann kann man schon sehr gut sehen, warum man der Wissenschaft vertrauen sollte.
Was kann außerdem helfen, Expert:innen besser zu identifizieren? Ich glaube, Bildung in den Schulen kann helfen, auf die richtige Weise Wissenschaftstheorie und -philosophie beizubringen. Kritik ist auch ganz wichtig – übrigens weit über das Gebiet der Expert:innen hinaus. Im Journalismus ist es genau dasselbe. Man muss identifizieren können, wer seriöse Journalist:innen sind, die zum Beispiel investigativ gearbeitet haben, welche Kriterien sie benutzen. Wie kann man rauskriegen, ob die Quellen fake sind? Das kann man lernen. Dabei mithelfende öffentliche Plattformen gibt es in dem Sinne noch nicht. Es gibt zaghafte Pflänzchen, die entstehen und das zum Teil im institutionellen Bereich machen. Zum Beispiel das Science Media Center Germany, das ist keine öffentlich-rechtliche Anstalt, sondern durch Spenden entstanden, mehr oder weniger durch private Initiativen. Davon wünschte ich mir mehr. Durch die richtige Kooperation zwischen Lai:innen, Institutionen und schulischer Bildung könnte die Expertise von Lai:innen so weit gestärkt werden, dass sie in Zukunft besser mit Expert:innenmeinungen umgehen können.
Thomas Grundmann ist Professor für Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie und Logik an der Universität zu Köln. Sein Buch „Expert Authority and the Limits of Critical Thinking“ ist bei Oxford University Press Open Access erschienen.
Weitere Artikel
Michael Butter: „Früher stellten Verschwörungstheorien eine anerkannte Form des Wissens dar“
Verschwörungstheorien scheinen dieser Tage allgegenwärtig. Der Literaturwissenschaftler Michael Butter erläutert im Gespräch, warum sie in der Vergangenheit jedoch viel verbreiteter waren, weshalb sie gerade in der Aufklärung Konjunktur hatten und wie man im persönlichen Umfeld auf sie reagieren sollte.
Unter Spannung – Zum 800. Geburtstag des Synthetisierers Thomas von Aquin
Thomas von Aquin gehörte zu den großen Philosophen des Mittelalters. Sein Denken schlug eine Brücke zwischen Vernunft und Glauben, Begründung und Autorität. Vor 800 Jahren wurde Thomas im mittelitalienischen Roccasecca geboren.
Michael Hampe: "Expertenherrschaft ist der Tod der Demokratie"
Dem amerikanischen Pragmatismus haftet bis heute der Makel des Kosten-Nutzen-Denkens an. In Wirklichkeit will er die Menschen zu neuen Erfahrungen führen. Der Philosoph Michael Hampe über Trump, Brexit und die Notwendigkeit einer pragmatischen Utopie.
Die Fäden der Macht
Verschwörungstheorien haben neuen Auftrieb erhalten. Wann ist Skepsis gegenüber Autoritäten angebracht – wann nicht? Die Theologin Petra Bahr und der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen im Dialog.
Christoph Butterwegge: „Der private Reichtum weniger Hochvermögender ist gestiegen“
Die Corona-Pandemie tritt die Wirtschaft schwer. Welche klassenspezifischen Folgen aber zeitigt die Krise genau? Christoph Butterwegge, emeritierter Professor für Politikwissenschaft an der Universität zu Köln, über öffentliche Armut, falschen Neid gegenüber Beamten und den Zusammenhang zwischen Tierschutz-Aktivismus und den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen. Soeben ist Christoph Butterwegges Buch Ungleichheit in der Klassengesellschaft (PapyRossa) erschienen.
Thomas Wagner: „In der Welt des Denkens gibt es immer Berührungspunkte“
Zeitlebens warnte der jüdische Denker Theodor W. Adorno, der in den 1930ern selbst ins Exil floh, vor der Bedrohung des Faschismus. Aus welchem Grund suchte er im Nachkriegsdeutschland den engen Austausch mit seinem konservativen Kollegen Arnold Gehlen, einem ausgewiesenen Unterstützer der Nationalsozialisten? Thomas Wagner über ideologische Gräben und intellektuelle Verbundenheit.
Thomas Müntzer und die Geburt des Kommunismus aus dem Geist der Mystik
Heute vor 500 Jahren wurde Thomas Müntzer in Mühlhausen hingerichtet. Als Rivale Martin Luthers trat er an der Seite der Bauern im Kampf gegen die Knechtschaft an. Sein mystischer Kommunismus könnte auch heute noch in die Zukunft weisen.
Sterben in Zeiten der Pandemie
Der Tod ist in der Corona-Krise so präsent wie lange nicht. Und doch ist unser Umgang mit ihm geprägt von Abwehr und Angst – mit schwerwiegenden Folgen. Ein Denkanstoß von Thomas Macho.