Wie Science-Fiction zur Philosophie wurde
Der Philosoph Gotthard Günther und der Soziologe Arnold Gehlen analysierten das Verhältnis von Mensch und Maschine – und sahen in alltäglicher Technik die Vorboten künstlicher Intelligenz.
1952 erscheint unter dem Titel Ich, der Robot im Düsseldorfer Karl Rauch Verlag eine Sammlung mit Erzählungen des bis dahin in Deutschland noch kaum bekannten Autors Isaac Asimov. Die Weltraum-Buchreihe war der Versuch, amerikanische Science-Fiction als Hardcover – das Format für seriöse Romanliteratur – im deutschen Sortimentsbuchhandel durchzusetzen. Der Umschlag zeigt die etwa drei Viertel der gesamten Bildfläche einnehmende, in verschiedenen Abstufungen von Metallic-Grau gehaltene Darstellung eines Androidenkopfes. Die Pupillen weisen, aus der Perspektive der Maschine, nach links unten, was ihr etwas Ängstliches verleiht und dadurch den menschenähnlichen Charakter noch unterstreicht. Das Antlitz der Maschine erinnert stark an C-3PO, den Protokoll- und Dolmetscherdroiden aus dem von George Lucas allerdings mehr als 20 Jahre später erdachten Star Wars-Universum.
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