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Impuls

Was ist die „Fortuna“ bei Machiavelli?

Nicolas Tenaillon veröffentlicht am 26 Februar 2026 4 min

Lange Zeit mit einer schicksalhaften Macht assoziiert, die zufällig Erfolg und Misserfolg verteilt, erhält das Glück (Fortuna) bei Machiavelli eine neue Bedeutung. Eine Erläuterung von Nicholas Tenaillon. 

Die Fortuna (aus dem Lateinischen fors: das Schicksal) bezeichnet ursprünglich den Zufall, die Kontingenz. In der antiken Kultur wird sie durch ein Rad oder oft durch eine Gottheit mit einem Füllhorn dargestellt. Denn: Sofern es das Schicksal gut meint, ist es gleichbedeutend mit Glück. Aber was macht die Fortuna gut? Diese Frage beantwortet Niccolò Machiavelli (1469-1527), als er diesen Begriff aufgreift und ihn zu einem zentralen Konzept seiner politischen Philosophie macht.

Vom antiken Glück behält er vor allem die Idee der Macht bei, nicht aber die der Vorsehung. Letztere, die für den Stoizismus von wesentlicher Bedeutung ist und von den Christen mit einem göttlichen Plan gleichgesetzt wird, zwingt dazu, die Welt mit Resignation so zu akzeptieren, wie sie ist. Zwar räumt Machiavelli in Der Fürst (1532) ein, dass die Macht des Glücks unaufhaltsam zu sein scheint: „Ich vergleiche das Glück mit einem gefährlichen Flusse, der, wenn er anschwillt, die Ebene überschwemmt, Bäume und Gebäude umstürzt, Erdreich hier fortreißt, dort ansetzt. Jedermann flieht davor und gibt nach; Niemand kann widerstehen.“ 

Allerdings ist er auch der Meinung, dass das Glück, weil es unbeständig ist, demjenigen dienen kann, der den richtigen Moment zum Handeln zu nutzen weiß. Machiavelli macht sich das lateinische Sprichwort „Das Glück hilft den Mutigen“ (Fortis fortuna adiuvat) zu eigen und schreibt: „In gleicher Art geht es mit dem Glücke, welches seine Macht zeigt, wo keine ordentlichen Gegenanstalten gemacht sind, und sich mit Ungestüm dahin kehrt, wo keine Wälle und Dämme vorhanden sind, es im Zaume zu halten.“ Das Glück ist also nicht entwaffnend. Da der Mensch frei ist und nicht vollständig von der Notwendigkeit gezwungen wird, urteilt Machiavelli, „daß das Glück wohl die Hälfte aller menschlichen Angelegenheiten beherrschen mag; aber die andre Hälfte, oder doch beinahe so viel, uns selbst überlassen müsse.“ Was den Staatsmann nach Machiavelli auszeichnet, ist deshalb seine Fähigkeit zu erkennen, wann er Macht erlangen und behalten kann und wann er sich hingegen vor Handlungen hüten muss.

Nicht ohne Grund widmet Machiavelli Der Fürst dem „Großmächtigen L o r e n z o, Sohn des Piero, v o n M e d i c i.“ und drückt dabei „einen brennenden Wunsch“ aus, dass der Großmächtige „zu der Größe gelangt, zu welcher Euch die Glücksumstände und andre Eigenschaften bestimmt haben“. Denn Machiavelli ist der Meinung, dass in Florenz die Gelegenheit gekommen ist, die anderen Mitglieder der Familie Medici zu stürzen, die sich als unfähig erweisen, die Stadt, die ausländischen Einflüssen unterworfen ist, zu regieren. So wie die Hebräer Sklaven der Ägypter sein mussten, damit Moses sie überzeugen konnte, ihm zum Sinai zu folgen, oder wie die Perser der Dynastie Nebukadnezars überdrüssig sein mussten, um dem assyrischen Kaiser Cyrus die Tore Babylons zu öffnen, so ist laut Machiavelli die Situation in Florenz günstig für einen Staatsstreich, den Lorenzo di Medici mit Bedacht anzetteln sollte (was er jedoch nicht tun wird!).

 

Vorsicht vor Schicksalsschlägen


Allerdings bietet die Fortuna nicht nur die Möglichkeit, die Macht zu ergreifen, sondern verlangt auch die Fähigkeit, sich anzupassen, um sie zu behalten. Diese Fähigkeit traft nicht auf den Dominikanerbruder Savonarola zu, der in Florenz eine christliche Republik errichtete: Da er es nicht verstand, Gewalt anzuwenden, um sich an der Macht zu halten, wurde er gestürzt, inhaftiert, gefoltert und 1498 hingerichtet. Sein tragisches Ende bestätigte für Machiavelli, dass diejenigen, die ihr Verhalten nicht mit der Zeit ändern, mit dem Schicksal ruiniert werden. Dennoch bestreitet Machiavelli nicht, dass selbst der gerissenste Fürst nichts gegen Schicksalsschläge ausrichten kann. So auch sein Vorbild César Borgia: „Wenn seine Anstalten den Zweck dennoch verfehlten, so lag die Schuld nicht an ihm, sondern an einem ganz außerordentlichen und höchst widerwärtigen Schicksale.“

Es gibt also bei Machiavelli ein Paradoxon des Schicksals. Denn obwohl es unvorhersehbar ist, scheint es - wie das sich ständig drehende Rad, das notwendigerweise alle seine Zähne durchläuft - den Menschen früher oder später sowohl seine wohltuendste als auch seine schädlichste Seite zu zeigen. Deshalb fördert es zwar politische Initiativen und den Ruhm der Fürsten, verhindert aber auch jeden dauerhaften Frieden und bleibt eine ständige Bedrohung für die Stabilität der Republiken. Machiavelli bemerkt in diesem Sinne in seinen Erörterungen über die erste Dekade des Titus Livius (1517), dass „in allen Städten die Zeiten der Ruhe Korruption hervorbringen und das Schicksal dafür sorgt, dass der Krieg zurückkehrt, um die Exzesse zu korrigieren”. Dass der Regierende die Schicksalsschläge so gut wie möglich hinauszögern oder in Zeiten des Unglücks eine vorübergehende Rückkehr des Friedens herbeiführen kann, ist vielleicht die große Lektion des Realismus, die uns der Begründer des modernen politischen Denkens in seinen Betrachtungen über die Fortuna vermittelt. •

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