Staat, was darfst du von mir fordern?
Nr. 87 - April/ Mai
Mit der Zunahme an Krisen tritt der Staat aus der Deckung. Aufgerufen wird zu Gemeinsinn, Engagement, Pflichterfüllung. Bis hin zum Einsatz des eigenen Lebens. Gibt sich die liberale Demokratie, wie wir sie kannten, selber preis? Oder kommt sie gerade erst zu sich?
Alle Texte in der Übersicht
Dossier: Staat, was darfst du von mir fordern?
Die Gretchenfrage der Politik
Die Frage, wie man es mit dem Staat hält, entzweit das politische Spektrum in Gegner und Befürworter – über alle Lagergrenzen hinweg. Ein Streifzug durch die Geschichte einer komplizierten Beziehung.
Der Staat und ich
In welchem Verhältnis steht der Staat zum Individuum? Wie weit reicht seine Gewalt? Was darf er verlangen? Wo endet seine Macht? Philosophiegeschichtlich wurden diese Fragen unterschiedlich beantwortet. Hier sieben Positionen.
Der überforderte Staat
Je mehr Zuständigkeiten der Staat auf sich vereint, desto höher ist die Gefahr seines Scheiterns. Heute bringen ihn Wachstumsschwäche, misslingender Strukturwandel und Klimakrise an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Wie kann der Staat die Legitimationskrise meistern?
Staatlicher Zwang oder republikanische Tugend?
Wie weit darf die Macht des Staates reichen, damit Bürgerinnen und Bürger sich fürs Gemeinwohl engagieren? Sollten wir auf die Pflicht setzen? Oder auf Freiwilligkeit? Thea Dorn und Stefan Gosepath sind uneins: Während die Schriftstellerin eine Rückkehr zu republikanischen Tugenden fordert, steht der Philosoph einem staatlichen Zwang positiver gegenüber.
Arena
An einem Strang ziehen
Bundeskanzler Merz wird von Indiens Premierminister Modi äußerst freundlich empfangen. Bildet sich da gerade eine neue Allianz?
Carl Schmitt sitzt nicht im Weißen Haus
Die Außenpolitik der Trump-Regierung scheint auf einen amerikanischen Großraum von Grön- bis Feuerland hinauszulaufen. Das erinnert viele Kommentatoren an die Weltordnungspläne Carl Schmitts. Doch der hätte über Trumps globale Dealmaking-Strategie wohl nur die Nase gerümpft. Schmitts Geist müssen wir heute eher in Peking suchen.
Die Maschine, die für uns fühlt
LLMs wie ChatGPT können nicht nur Informationen ausgeben, sondern auch Entscheidungen für uns fällen. Aber sollten wir uns darauf einlassen? Daniel Bracker zeigt, warum es mit Blick auf epistemische Autonomie und unsere Selbstkonstitution entscheidend ist, dass wir das Urteilen nicht der KI überlassen.
Wird die CDU jetzt kommunistisch?
Vollzeit für alle, Schluss mit Lifestyle! Mit ihren jüngsten Forderungen stellt sich die CDU fast ins Fahrwasser des Kommunismus. Aber nur fast.
Hartmut Rosa: „Das Band zwischen Emotion und Handeln ist durchschnitten“
Unser Tätigsein in der Welt gleicht zunehmend einer bloßen Programmausführung, so lautet die große Zeitdiagnose, die Hartmut Rosa in seinem neuen Buch Situation und Konstellation entwickelt. Durch Regeln, Vorgaben und Algorithmen verwandelt sich das Handeln in ein reines Vollziehen.
Wohin steuert Europa?
Geopolitische Umbrüche setzen Europa unter Druck. Wohin steuert der Kontinent, der nach 1945 im „Nie wieder!“ vereint war? Auf dem Berliner Philosophie- Festival Philo.live! diskutierten Peter Sloterdijk und Daniel Cohn-Bendit über die Zukunft Europas. Beide wurden unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg geboren. Lässt sich aus der Tiefe der Vergangenheit die Kraft ziehen, um den neuen Herausforderungen zu begegnen?
Politik der Aufmerksamkeit
Gegen Trumps Autokratie der Hast hilft nur demokratische Geduld, meint Wolfram Eilenberger. Plädoyer für eine neue Herrschaftsform.
Leben
Verwalteter Überlebenskampf
Das ewige Leben ist ein alter Menschheitstraum. Die Longevity-Bewegung will ihn sich durch Überwachung und Kontrolle des Körpers erfüllen. Kann das gelingen?
Nirva AI
Eine KI, die in sozialen Beziehungen das eigene Stresslevel misst, um sie zu bewerten: Das verspricht Nirva AI.
Personal Curriculum
Mit selbstgewählten Lernzielen und Deadlines streben viele junge Menschen aktuell nach zusätzlichem Wissen - oder optimieren sie sich doch nur selbst?
Geophilosophie – Denken mit der Landkarte
Wer philosophiert, befindet sich irgendwo auf dem Globus. Hat dieser Ort einen größeren Einfluss, als wir gemeinhin annehmen? Ist das Denken ein Effekt seiner Umgebung? Ein Streifzug durch Länder und Städte, Landschaften, Klimazonen und Geschichten vom Geist der Geografie.
Was macht der Blick des anderen mit mir?
Wir suchen ihn, weichen ihm aus oder halten ihm stand: Die Begegnung mit dem Blick des anderen ist eine existenzielle Erfahrung, mit der sich Philosophen immer wieder auseinandergesetzt haben.
Der letzte Moment
Ungeduldige Menschen wähnen sich immer schon zu spät und geraten deshalb leicht in Rage. Auch unsere Kolumnistin Millay Hyatt zählte lange zu ihnen. Bis sie lernte, die Zeit zu dehnen.
Klassiker
Jacques Lacan und die 68er
Der Philosoph und Psychoanalytiker Jacques Lacan war ein Herrschaftskritiker und Nonkonformist. Zugleich aber warf er der 68er-Bewegung vor, das Wesen moderner Machtapparaturen zu verkennen. Ihr anti-autoritärer Hedonismus gehe letztlich jenen Demagogen auf den Leim, die mit vermeintlich erfüllbaren Glücksversprechen locken. Mit Lacan lassen sich im Antiautoritarismus von gestern die Keime des Autoritarismus von heute entdecken.
Christian Wolff
Das Wesen eines Dings ist die in ihm angelegte Möglichkeit, schreibt der Aufklärer Christian Wolff. Wie ist das zu verstehen?
Salon
Bot und Spiele
Kim Gordon, Ex-Musikerin von Sonic Youth, ergründet auf PLAY ME, wie Large Language Models in unsere Emotionen eingreifen.
Zarte Familienbande
In Father Mother Sister Brother nimmt Jim Jarmusch das verworrene Geflecht von Familiendynamiken in den Blick
Kunst und die Genese der Homosexualität
Die Ausstellung The First Homosexuals zeigt, wie gleichgeschlechtliche Liebe in der globalen Kunstgeschichte dargestellt wurde – und blickt zugleich auf die Entstehung des Konzepts der „Homosexualität“.
Verwandelnde Lektüre
Der Literaturpodcast Dear Reader fragt Autoren nach prägenden Leseerfahrungen.
Bücher
Die Waffen der Phantombesitzer
Eva von Redecker analysiert in Dieser Drang nach Härte den neuen Faschismus und seine Beziehung zum Besitz: Sie sieht einen wahnhaften Eigentumsrausch am Werk, der alles liquidieren will, was der eigenen Anspruchshaltung in die Quere kommt.
Den Frosch zum Springen bringen
Klimaschutz und Katastrophenbewusstsein: Fünf Philosophen, ein Soziologe und eine Aktivistin untersuchen, was uns am Handeln hindert – und wie wir die Lage ändern können.
Die Sprache der Erinnerung
Das Werk der Schriftstellerin Judith Hermann kreist um die Frage, wie sich Empfundenes in Erzähltes verwandeln lässt. In ihrem neuen Buch geht es um einen Großvater, der Mitglied der Waffen SS war, um Familie und Verdrängung – und um ein „Narrativ ohne Sprache“.
Finale
Phil.Kids (03/26)
Kleine Menschen wissen oft mehr als große. Wir fragen, Kinder antworten.